SIBO und Histaminintoleranz: Wenn der Darm die Symptome verstärkt

Entdecke den Zusammenhang zwischen SIBO und Histaminintoleranz. Ursachen, Symptome, Diagnose und effektive Behandlungsstrategien.

Wer trotz histaminarmer Ernährung weiterhin unter Kopfschmerzen, Hautreaktionen und Verdauungsbeschwerden leidet, stößt früher oder später auf eine mögliche Erklärung: SIBO, die sogenannte Dünndarmfehlbesiedlung, könnte das fehlende Puzzlestück sein. SIBO und Histaminintoleranz treten häufig gemeinsam auf – und verstärken sich gegenseitig in einem Teufelskreis, der ohne gezielte Diagnose kaum zu durchbrechen ist. Betroffene berichten oft von jahrelanger Odyssee durch Arztpraxen, ohne dass die Verbindung zwischen beiden Erkrankungen erkannt wurde. Dabei ist der Zusammenhang aus medizinischer Sicht plausibel: Bestimmte Bakterien im Dünndarm produzieren Histamin und blockieren gleichzeitig das Enzym Diaminoxidase (DAO), das für den Abbau von Histamin zuständig ist. Dieser Artikel erklärt den Mechanismus, zeigt Diagnose- und Therapiewege auf und gibt dir konkrete Orientierung, wenn du den Verdacht hegst, dass SIBO hinter deinen anhaltenden Symptomen steckt.

Was ist SIBO – und warum betrifft es Histaminintoleranz-Betroffene?

SIBO steht für „Small Intestinal Bacterial Overgrowth”, auf Deutsch Dünndarmfehlbesiedlung, und beschreibt einen Zustand, bei dem Bakterien, die normalerweise im Dickdarm leben, in den Dünndarm einwandern und sich dort unkontrolliert vermehren. Im gesunden Darm ist der Dünndarm vergleichsweise keimarm; Bakterienkonzentrationen von mehr als 10⁵ koloniebildenden Einheiten pro Milliliter gelten als pathologisch erhöht. Diese Fehlbesiedlung stört die normale Nährstoffaufnahme, schädigt die Darmschleimhaut und erzeugt eine Reihe von Gärungs- und Fäulnisgasen, die Blähungen, Durchfall oder Verstopfung verursachen. Für Menschen mit Histaminintoleranz ist SIBO besonders problematisch, weil viele der im Dünndarm fehlgeleiteten Bakterienstämme – darunter Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae und bestimmte Lactobacillus-Arten – zu den stärksten Histaminproduzenten überhaupt zählen. Schätzungen aus Fachpublikationen zufolge leidet ein erheblicher Anteil von Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden gleichzeitig an SIBO, ohne dass die Diagnose je gestellt wurde.

Ursachen von SIBO im Überblick

SIBO entsteht häufig durch eine gestörte Darmperistaltik, einen veränderten Magen-pH-Wert – etwa durch die langfristige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren – oder durch anatomische Besonderheiten wie Verwachsungen nach Operationen. Auch ein geschwächtes Immunsystem, Hypothyreose und chronischer Stress gelten als Risikofaktoren. Interessanterweise sind dieselben Faktoren, die SIBO begünstigen, oft auch mit einer erhöhten Histaminausschüttung verbunden, was den häufigen Komorbiditätsbefund erklären kann.

Wie verbreitet ist die Kombination SIBO und Histaminintoleranz?

Exakte Prävalenzdaten für das gleichzeitige Auftreten beider Erkrankungen fehlen noch, doch klinische Beobachtungen und erste Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass ein bedeutsamer Teil der Histaminintoleranz-Betroffenen eine zugrundeliegende SIBO aufweist. Einige Gastroenterologen berichten, dass Patienten, bei denen eine DAO-Supplementierung kaum wirkt, häufig positiv auf SIBO-Tests reagieren – ein Hinweis darauf, dass die bakterielle Überbesiedlung das primäre Problem darstellt.

Wie SIBO den Histaminspiegel erhöht

Der Mechanismus, über den SIBO zu einem erhöhten Histaminspiegel führt, ist biochemisch gut nachvollziehbar: Bestimmte Bakterienstämme besitzen das Enzym Histidin-Decarboxylase, das die Aminosäure L-Histidin – reichlich vorhanden in Nahrungsproteinen – direkt in Histamin umwandelt. Wenn sich diese Bakterien im Dünndarm befinden, also genau dort, wo die Nährstoffaufnahme stattfindet, gelangt das bakteriell produzierte Histamin direkt und ungehindert in den Blutkreislauf und in die Darmschleimhaut. Im Vergleich dazu würde Histamin, das im Dickdarm produziert wird, zumindest teilweise durch die dortige Bakterienflora wieder abgebaut oder über den Stuhl ausgeschieden. Die räumliche Nähe zur Darmschleimhaut und zu den Blutgefäßen macht die SIBO-assoziierte Histaminproduktion besonders gefährlich für Betroffene mit ohnehin schon eingeschränkter DAO-Aktivität. Selbst eine streng histaminarme Diät kann unter diesen Umständen nicht verhindern, dass der Histaminspiegel kritische Werte erreicht.

Histaminproduzierende Bakterien im Dünndarm

Nicht alle Bakterienarten produzieren gleich viel Histamin. Zu den stärksten histaminproduzierenden Spezies, die bei SIBO häufig nachgewiesen werden, zählen Escherichia coli, Morganella morganii, Klebsiella pneumoniae und bestimmte Hafnia-Arten. Diese gramnegativen Bakterien verfügen über eine besonders aktive Histidin-Decarboxylase und können in kurzer Zeit erhebliche Histaminmengen synthetisieren. Darüber hinaus produzieren einige bei SIBO vorkommende Bakterien auch andere biogene Amine wie Tyramin und Putrescin, die ebenfalls den DAO-Abbauweg belasten und so indirekt den Histaminspiegel weiter erhöhen.

Der Teufelskreis: Histamin und Darmentzündung

Histamin wirkt nicht nur als allergischer Botenstoff, sondern beeinflusst auch direkt die Darmfunktion: Es erhöht die Darmdurchlässigkeit, fördert Entzündungsreaktionen in der Schleimhaut und verlangsamt unter bestimmten Bedingungen die Darmperistaltik. Eine verlangsamte Peristaltik wiederum begünstigt die weitere Ausbreitung von Bakterien im Dünndarm – wodurch SIBO schlimmer wird und noch mehr Histamin produziert wird. Dieser selbstverstärkende Kreislauf erklärt, warum Betroffene ohne gezielte SIBO-Behandlung trotz aller diätetischen Bemühungen keine nachhaltige Besserung erfahren.

SIBO und das DAO-Enzym: Ein zerstörerisches Duo

Die Diaminoxidase (DAO) ist das wichtigste Enzym für den Abbau von Nahrungshistamin im Darm. Sie wird hauptsächlich in den Epithelzellen des Dünndarms produziert – also genau dort, wo SIBO am stärksten wirkt. Eine ausgeprägte Dünndarmfehlbesiedlung schädigt die Darmschleimhaut, indem sie Entzündungsreaktionen auslöst, die Mikrovilli beschädigt und die Integrität der Darmbarriere untergräbt. Die Folge ist eine drastisch reduzierte DAO-Produktion und -Aktivität, da die Epithelzellen, die das Enzym synthetisieren, in ihrer Funktion beeinträchtigt oder sogar abgestorben sind. Studien zur Zöliakie – einer anderen Erkrankung mit schwerer Dünndarmschleimhautschädigung – haben gezeigt, dass die DAO-Aktivität bei entzündeter Schleimhaut erheblich sinkt und sich nach Abheilung wieder normalisieren kann. Dieser Befund legt nahe, dass SIBO-bedingte Schleimhautschäden einen vergleichbaren Mechanismus auslösen können. Damit trifft die SIBO-Erkrankung Histaminintoleranz-Betroffene gleich doppelt: Sie erhöht die Histaminproduktion und senkt gleichzeitig die körpereigene Histaminabwehr.

DAO-Mangel als Folge oder Ursache?

Die Frage, ob ein DAO-Mangel SIBO begünstigt oder ob SIBO den DAO-Mangel verursacht, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Wahrscheinlich handelt es sich um eine bidirektionale Beziehung: Ein genetisch bedingter DAO-Mangel führt zu einer veränderten Darmumgebung, die bestimmten Bakterienstämmen einen Wachstumsvorteil verschafft, während eine SIBO-induzierte Schleimhautschädigung die DAO-Produktion weiter hemmt. Diese Wechselwirkung erschwert die klinische Einordnung und erfordert eine differenzierte Diagnostik, die beide Aspekte berücksichtigt.

Andere Enzyme und Mediatoren im Ungleichgewicht

Neben der DAO wird bei SIBO auch die Aktivität anderer relevanter Enzyme beeinflusst. Histamin-N-Methyltransferase (HNMT), das intrazelluläre Histamin-Abbauenzym, kann ebenfalls in seiner Funktion beeinträchtigt werden, wenn systemische Entzündungsprozesse durch SIBO ausgelöst werden. Darüber hinaus führt eine veränderte Darmbarriere zu einer erhöhten Freisetzung von Mastzellen-aktivierenden Zytokinen, was die gesamte Histaminlast im Körper weiter steigert und das klinische Bild der Histaminintoleranz aggraviert.

Wichtig zu wissen: SIBO erhöht den Histaminspiegel auf zwei Wegen gleichzeitig – durch direkte bakterielle Histaminproduktion im Dünndarm und durch Schädigung der DAO-produzierenden Darmschleimhaut. Wer trotz histaminarmer Ernährung keine Besserung erzielt, sollte einen SIBO-Test in Betracht ziehen.

Diagnose: Wann sollte man an SIBO denken?

Der Verdacht auf eine gleichzeitige SIBO und Histaminintoleranz sollte immer dann entstehen, wenn Betroffene trotz konsequenter histaminarmer Ernährung und DAO-Supplementierung keine ausreichende Symptomlinderung erfahren. Typische Warnsignale sind starke Blähungen, die unmittelbar nach dem Essen auftreten, ein wechselhafter Stuhlgang mit Phasen von Durchfall und Verstopfung, Gewichtsverlust trotz ausreichender Nahrungsaufnahme sowie anhaltende Nährstoffmängel – insbesondere bei B-Vitaminen, Eisen und fettlöslichen Vitaminen. Hinzu kommen Symptome, die auf den ersten Blick nicht mit dem Darm assoziiert werden: Hirnnebelphänomene (Brain Fog), chronische Erschöpfung, Gelenkschmerzen und wiederkehrende Hautreaktionen können allesamt Ausdruck eines durch SIBO getriggerten chronisch erhöhten Histaminspiegels sein. Die Diagnose SIBO wird in der Regel durch einen Atemtest mit Laktulose oder Glukose gestellt, bei dem die von den Bakterien produzierten Gase Wasserstoff und Methan gemessen werden. Dieser Test ist nicht invasiv, sollte aber von einem erfahrenen Gastroenterologen interpretiert werden, da falsch-negative Ergebnisse vorkommen können.

Der Atemtest: Möglichkeiten und Grenzen

Der Laktulose-Atemtest gilt als Standarddiagnostik für SIBO und ist in Deutschland über spezialisierte gastroenterologische Praxen und einige Labore verfügbar. Er misst den Anstieg von Wasserstoff und Methan in der Ausatemluft nach Einnahme einer Zuckerlösung. Ein früher Anstieg innerhalb der ersten 90 Minuten gilt als Hinweis auf eine Bakterienbesiedlung im Dünndarm. Allerdings weist der Test eine begrenzte Sensitivität und Spezifität auf; einige Experten empfehlen ergänzend den Glukose-Atemtest oder in unklaren Fällen eine Dünndarmaspiration, die als Goldstandard gilt, jedoch invasiver ist.

Labordiagnostik und ergänzende Tests

Zusätzlich zum Atemtest kann die Messung der DAO-Aktivität im Blut sinnvolle Hinweise liefern. Eine stark erniedrigte DAO-Aktivität bei gleichzeitig typischen SIBO-Symptomen erhärtet den Verdacht auf eine kombinierte Erkrankung. Auch Stuhlmikrobiomanalysen können ergänzende Informationen über die Zusammensetzung der Darmflora liefern, ersetzen aber nicht den Atemtest als primäres SIBO-Diagnoseinstrument. Entzündungsmarker wie Calprotectin im Stuhl können helfen, das Ausmaß der Schleimhautentzündung einzuschätzen.

Therapieansätze bei SIBO und Histaminintoleranz

Die Behandlung einer gleichzeitig vorliegenden SIBO und Histaminintoleranz erfordert eine mehrstufige Strategie, die zunächst die bakterielle Überbesiedlung adressiert und anschließend die Darmschleimhaut regeneriert. Der erste Schritt ist in der Regel eine antibiotische Therapie, wobei Rifaximin als nicht systemisch wirkendes Antibiotikum bevorzugt wird, da es selektiv im Darm wirkt und kaum in den Blutkreislauf gelangt. Klinische Studien haben gezeigt, dass Rifaximin bei einem erheblichen Anteil der SIBO-Patienten zu einer deutlichen Symptomreduktion führt. Bei methanproduzierender SIBO – häufig assoziiert mit Verstopfung – wird Rifaximin oft mit Neomycin oder Metronidazol kombiniert. Parallel zur Antibiotikatherapie ist eine histaminarme Ernährung sinnvoll, um die Gesamthistaminlast zu reduzieren und die Darmschleimhaut zu entlasten. Im Anschluss an die SIBO-Behandlung sollte gezielt an der Wiederherstellung der Darmbarriere gearbeitet werden, etwa durch den Einsatz von L-Glutamin, Zink und gegebenenfalls spezifischen Probiotika, die keine Histaminproduzenten sind.

Antibiotika und Alternativen

Neben der konventionellen Antibiotikatherapie gibt es Hinweise darauf, dass pflanzliche antimikrobielle Substanzen wie Oregano-Extrakt, Berberin oder Allicin (aus Knoblauch) bei leichteren SIBO-Formen wirksam sein können. Eine 2014 im Journal of Global Infectious Diseases veröffentlichte Studie zeigte vergleichbare Wirksamkeit bestimmter Kräuterprotokolle gegenüber Rifaximin bei einem Teil der Patienten. Diese Alternativen können besonders für Personen interessant sein, die keine Antibiotika vertragen oder die Resistenzentwicklung minimieren möchten. Die Entscheidung sollte jedoch immer in Absprache mit einem erfahrenen Arzt getroffen werden.

Prokinetika zur Rückfallprophylaxe

Ein häufig übersehener Aspekt der SIBO-Therapie ist die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache, also der gestörten Darmperistaltik. Prokinetika – Medikamente, die die Darmbewegung fördern – können dazu beitragen, eine erneute Besiedlung des Dünndarms zu verhindern. Niedrigdosiertes Naltrexon, Erythromycin in subtherapeutischer Dosierung und pflanzliche Prokinetika wie Ingwer oder Iberogast werden in der Praxis eingesetzt. Ohne diese präventive Maßnahme liegt die SIBO-Rückfallrate auch nach erfolgreicher Antibiotikatherapie erheblich.

Ernährung bei gleichzeitigem SIBO und Histaminintoleranz

Die diätetische Herausforderung bei gleichzeitiger SIBO und Histaminintoleranz ist erheblich, denn beide Erkrankungen stellen eigene Anforderungen an die Lebensmittelauswahl, die sich teilweise widersprechen können. Die Low-FODMAP-Diät, die bei SIBO häufig empfohlen wird, reduziert fermentierbare Kohlenhydrate, die als Nährstoffquelle für die fehlgeleiteten Bakterien dienen. Gleichzeitig müssen histaminreiche Lebensmittel wie Fermente, Reifekäse, Wein und lang gereifte Produkte gemieden werden. Das Ergebnis ist eine sehr restriktive Diät, die sorgfältig geplant werden muss, um Nährstoffmängel zu vermeiden. Wichtig: Eine solche Kombidiät sollte nicht dauerhaft eingehalten werden, sondern als therapeutische Maßnahme über einen begrenzten Zeitraum, der in der Regel 4 bis 6 Wochen umfasst. Danach sollte unter ärztlicher oder ernährungstherapeutischer Begleitung eine schrittweise Wiedereinführung von Lebensmitteln erfolgen, um die individuelle Toleranzschwelle zu ermitteln. Histaminarme Rezeptideen, die sich mit den SIBO-diätetischen Anforderungen vereinbaren lassen, findest du auf /rezepte/.

Low-FODMAP und Histaminarm: Was bleibt übrig?

Die Schnittmenge zwischen Low-FODMAP und histaminarmer Ernährung ist kleiner, als viele hoffen. Gut verträgliche Lebensmittel in beiden Kategorien umfassen frisches, unverarbeitetes Fleisch und Geflügel, frischer Fisch (nicht geräuchert oder eingelegt), die meisten Reis- und Kartoffelsorten sowie bestimmte Gemüsesorten wie Zucchini, Gurke, Karotte und frischer Brokkoli. Getreide wie Hafer und Reis sind in moderaten Mengen in der Regel gut verträglich. Besonders wichtig ist die Frische der Lebensmittel: Auch eigentlich histaminarme Speisen können durch unsachgemäße Lagerung oder langes Warmhalten erheblich an Histamin anreichern.

Probiotika: Fluch oder Segen bei SIBO?

Die Frage nach Probiotika ist bei SIBO und Histaminintoleranz besonders heikel. Viele klassische Probiotika enthalten Lactobacillus-Stämme, die selbst Histaminproduzenten sein können – Lactobacillus casei, Lactobacillus bulgaricus und Lactobacillus helveticus gelten als problematisch. Hingegen gibt es Stämme wie Lactobacillus rhamnosus GG und Bifidobacterium-Arten, die eher histaminabbauend oder zumindest neutral wirken. Auch Saccharomyces boulardii, eine Hefe, die keine Histaminproduzentin ist, wird bei der Darmschleimhautregeneration nach SIBO-Therapie eingesetzt. Die Auswahl des richtigen Probiotikums sollte in jedem Fall individuell und möglichst nach Rücksprache mit einem Fachmann erfolgen.

Praxis-Tipp: Bei gleichzeitiger SIBO und Histaminintoleranz sollte die SIBO zuerst behandelt werden, bevor eine dauerhafte histaminarme Diät eingeführt wird. Erst wenn die bakterielle Überbesiedlung beseitigt ist, lässt sich die tatsächliche Histamintoleranz des Körpers realistisch einschätzen und die Ernährung entsprechend anpassen.

Langzeitperspektive: Darmgesundheit als Schlüssel zur Beschwerdefreiheit

Die gute Nachricht für Betroffene mit SIBO und Histaminintoleranz ist, dass eine erfolgreiche SIBO-Behandlung häufig zu einer deutlichen und manchmal vollständigen Besserung der Histaminintoleranzsymptome führt. Wenn die Darmschleimhaut sich regeneriert, steigt die DAO-Aktivität wieder an, die Histaminproduktion durch Bakterien nimmt ab und die Gesamthistaminlast sinkt auf ein tolerables Maß. Dieser Prozess braucht jedoch Zeit – in der Regel mehrere Monate – und erfordert eine konsequente Nachsorge. Regelmäßige Kontrollen auf SIBO-Rückfälle, eine begleitende Ernährungstherapie und die gezielte Unterstützung der Darmschleimhaut sind Teil eines nachhaltigen Therapiekonzepts. Langfristig zielt die Behandlung darauf ab, die Darmgesundheit so zu stabilisieren, dass die histaminarme Diät schrittweise gelockert werden kann und Betroffene wieder mehr Lebensmittelfreiheit gewinnen. Grunderkrankungen, die SIBO begünstigen – etwa eine Hypothyreose oder ein chronischer Stresszustand – müssen ebenfalls adressiert werden, um Rückfälle zu verhindern. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologen, Ernährungstherapeutinnen und gegebenenfalls Endokrinologen ist dabei häufig notwendig.

Die Rolle des Mikrobioms bei der Erholung

Das Darmmikrobiom spielt eine zentrale Rolle bei der langfristigen Stabilisierung nach SIBO. Nach einer erfolgreichen Antibiotikatherapie ist das Mikrobiom zunächst gestört und muss aktiv wiederaufgebaut werden. Dieser Prozess wird durch eine ballaststoffreiche, fermentationsarme und histaminarme Ernährung unterstützt, die selektiv günstige Bakterienstämme fördert. Präbiotika wie teilweise hydrolysiertes Guarkernmehl (PHGG) gelten als besonders gut verträglich bei SIBO-Patienten und können die Wiederansiedlung nützlicher Bakterien fördern, ohne die fehlgeleiteten Keime zu befeuern.

Psychosomatische Aspekte und Stressmanagement

Der Zusammenhang zwischen Stress, Darmgesundheit und Histamin ist bidirektional: Chronischer Stress beeinträchtigt die Darmperistaltik, schwächt die Immunantwort und erhöht die Histaminausschüttung über Mastzellen-Aktivierung. Für Menschen mit SIBO und Histaminintoleranz ist daher ein gezieltes Stressmanagement kein optionaler Zusatz, sondern ein integraler Bestandteil der Therapie. Maßnahmen wie Achtsamkeitstraining, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können nachweislich die Darmbarrierefunktion verbessern und die Mastzellen-Reaktivität dämpfen, was den gesamten Krankheitsverlauf positiv beeinflusst.

FAQ

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beides ist möglich: Ein genetisch bedingter DAO-Mangel kann die Darmumgebung so verändern, dass SIBO entsteht, und umgekehrt kann eine SIBO die DAO-Aktivität so stark hemmen, dass sich erst dadurch eine klinisch relevante Histaminintoleranz entwickelt. Häufig handelt es sich um einen sich selbst verstärkenden Kreislauf, der einer gleichzeitigen Behandlung beider Erkrankungen bedarf.

Primär ist ein Gastroenterologe der richtige Ansprechpartner für die SIBO-Diagnose und -Behandlung. Da die Kombination mit Histaminintoleranz jedoch eine ernährungsmedizinische Komponente hat, ist die begleitende Betreuung durch eine spezialisierte Ernährungstherapeutin sinnvoll. In manchen Fällen können auch Allergologen oder Umweltmediziner eingebunden werden.

Nein. Eine histaminarme Diät reduziert die Histaminlast aus der Nahrung, beseitigt aber nicht die zugrundeliegende Bakterienüberbesiedlung. Sie kann begleitend zur Symptomlinderung eingesetzt werden, ersetzt jedoch keine gezielte SIBO-Behandlung mit Antibiotika oder pflanzlichen Antimikrobiotika.

Die Erholung der Darmschleimhaut und damit der DAO-Aktivität dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate. Viele Betroffene bemerken erste Verbesserungen ihrer Histamintoleranz bereits 4 bis 8 Wochen nach erfolgreicher SIBO-Therapie, eine vollständige Normalisierung kann jedoch 6 bis 12 Monate in Anspruch nehmen.

Nicht alle, aber einige. Bestimmte Lactobacillus-Stämme wie L. casei oder L. bulgaricus produzieren selbst Histamin und sind bei Histaminintoleranz kontraindiziert. Hingegen gelten Stämme wie Lactobacillus rhamnosus GG, verschiedene Bifidobacterium-Arten und Saccharomyces boulardii als vergleichsweise sicher und können die Darmregeneration nach SIBO-Behandlung unterstützen. Die Auswahl sollte individuell mit einem Fachmann abgestimmt werden.

Bei vielen Betroffenen verbessert sich die Histamintoleranz nach einer erfolgreichen SIBO-Therapie spürbar – manchmal sogar deutlich. Da die Fehlbesiedlung sowohl Histamin produziert als auch das DAO-Enzym blockiert, kann deren Beseitigung den Teufelskreis unterbrechen. Eine vollständige Heilung der Histaminintoleranz ist jedoch nicht garantiert, da oft mehrere Faktoren zusammenspielen.

Das ist ohne Tests kaum zu unterscheiden, weil die Symptome stark überlappen. Ein wichtiger Hinweis: Wenn du trotz strikter histaminarmer Diät weiterhin Beschwerden hast und zusätzlich unter starken Blähungen oder Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung leidest, solltest du gezielt auf SIBO testen lassen – zum Beispiel mit einem Atemtest beim Gastroenterologen.

Die Kombination beider Erkrankungen erfordert vorübergehend eine doppelt angepasste Ernährung: Vermeide fermentierten und histaminreichen Lebensmitteln wie Käse, Rotwein und Essig – und gleichzeitig vergärbare Kohlenhydrate (FODMAP), die SIBO-Bakterien als Nahrung dienen. Diese strenge Phase ist anspruchsvoll, sollte aber nur so lange wie nötig durchgehalten werden.

Quellen

Schaefer, C. (Dr. oec. troph., Ernährungstherapie Hamburg). Beratungsmaterialien und Vortrage zu Fermentation und biogenen Aminen. Bergmann, K.-C. (Charite Berlin, Allergie-Centrum-Charite). Bischoff, S. (Universitat Hohenheim, Institut fur Ernährungsmedizin). Autoritaet fuer Darm-Mikrobiom und Histamin-Immunologie im DACH-Raum. Braun, Y. (Ernährungsmedizin Muenchen). Zitiert in own_content Schlaf-MDX und Einkaufsartikel balancehistamin.de.

BH
Balance Histamin
Fachredaktion für Histaminintoleranz, Ernährung und Darmgesundheit. Medizinisch geprüfte Inhalte auf Basis aktueller Studien und Leitlinien.

Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Kostenlos: Die Histamin-Ampel (PDF)

200 Lebensmittel bewertet — auf einen Blick sehen, was du essen kannst. Lade dir unseren kostenlosen Guide herunter.