Histaminintoleranz und Reizdarm: Überschneidungen erkennen und behandeln

Reizdarm und Histaminintoleranz überlappen bei bis zu 50 % der Betroffenen. Erfahre die Zusammenhänge, Diagnostik und Behandlungsstrategien.

Du sitzt nach dem Essen wieder mit Bauchschmerzen da. Blähungen, Durchfall, ständig wechselnde Symptome. Der Arzt sagt “Reizdarm”, aber deine Histaminintoleranz passt perfekt zu den Beschwerden. Viele Betroffene erleben genau das: Zwei Erkrankungen, die sich verstecken. Die gute Nachricht ist, dass eine histaminarme Ernährung oft entscheidend hilft.

Warum Reizdarm und HIT so ähnlich sind

Gemeinsame Symptome

Die Symptome von Reizdarm und Histaminintoleranz überschneiden sich in einem Ausmaß, das eine klinische Abgrenzung ohne gezielte Diagnostik nahezu unmöglich macht. Beide Erkrankungen verursachen Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe, Blähungen und ein aufgeblähtes Abdomen, Durchfall oder wechselnden Stuhlgang und Übelkeit. Laut einer Studie im Alimentary Pharmacology and Therapeutics (2020) berichten 60-70 % der Reizdarmpatienten über Symptome, die mit einer Histaminkomponente vereinbar sind. Der entscheidende Unterschied: Bei Histaminintoleranz treten neben den Darmsymptomen häufig auch extraintestinale Symptome auf, etwa Kopfschmerzen, Hautausschlag, Flush, verstopfte Nase oder Herzrasen. Wenn du neben deinen Darmbeschwerden auch unter diesen Symptomen der Histaminintoleranz leidest, könnte eine Histaminkomponente vorliegen.

Gemeinsame Ursachen

Reizdarm und Histaminintoleranz teilen nicht nur Symptome, sondern auch wichtige Ursachen und Mechanismen. Eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut) kommt bei beiden Erkrankungen häufig vor und wird als zentraler pathophysiologischer Faktor diskutiert. Die Darmflora-Dysbiose, also ein Ungleichgewicht der Darmbakterien, ist ebenfalls bei beiden Erkrankungen beschrieben und kann sowohl die DAO-Produktion als auch die Darmsymptome beeinflussen. Laut einer Studie im Microbiome Journal (2020) unterscheidet sich die Zusammensetzung der Darmflora bei Reizdarmpatienten signifikant von gesunden Kontrollgruppen, wobei besonders histaminproduzierende Bakterienstämme überrepräsentiert sind. Chronischer Stress beeinflusst über die Darm-Hirn-Achse sowohl die Reizdarm-Symptomatik als auch den Histaminstoffwechsel. Postinfektiöse Veränderungen nach einer Gastroenteritis können beide Erkrankungen auslösen oder verschlimmern.

“Die Überschneidung zwischen Reizdarm und Histaminintoleranz ist klinisch hochrelevant. Viele Patienten, die als Reizdarmpatienten diagnostiziert werden, haben eine behandelbare Histaminkomponente.”

  • Prof. Während die Medizin meist nur die akute Infektionsphase behandelt, können die langfristigen Auswirkungen auf das Darmmikrobiom und die Darmschleimhaut jahrelang bestehen bleiben. Besonders tückisch: Eine durchgemachte Magen-Darm-Infektion kann die DAO-produzierenden Zellen in der Darmschleimhaut nachhaltig schädigen, wodurch eine erworbene Histaminintoleranz entstehen kann. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora oft dauerhaft, was sowohl FODMAP-Unverträglichkeiten als auch eine erhöhte Histaminproduktion durch pathogene Bakterienstämme zur Folge haben kann. Im Coaching-Kontext ist es daher wichtig, bei der Anamnese gezielt nach zurückliegenden Infekten zu fragen. Betroffene, die ihre Beschwerden auf eine Gastroenteritis zurückführen können, profitieren oft besonders von einem ganzheitlichen Darmaufbau-Programm, das sowohl die Schleimhautregeneration als auch die Mikrobiom-Wiederherstellung umfasst. Diese Erkenntnis kann erklären, warum manche Menschen scheinbar ‘plötzlich’ Unverträglichkeiten entwickeln.

Viele Betroffene stehen vor einer besonderen Herausforderung: Lebensmittel, die sowohl FODMAP-arm als auch histaminarm sind, scheinen begrenzt zu sein. Diese scheinbare Ausweglosigkeit entsteht jedoch oft durch ein Missverständnis der zugrundeliegenden Mechanismen. Während FODMAP-reiche Lebensmittel hauptsächlich durch Fermentation im Dickdarm Beschwerden verursachen, wirkt Histamin bereits im Dünndarm über Mastzell-Aktivierung. Interessant ist, dass beide Systeme über die Darm-Hirn-Achse miteinander kommunizieren: Stress kann sowohl die FODMAP-Sensitivität als auch die Histamintoleranz verschlechtern. Im Coaching-Alltag zeigt sich, dass eine schrittweise Herangehensweise erfolgreicher ist als der Versuch, beide Diäten gleichzeitig umzusetzen. Beginnt man mit einer histaminarmen Phase zur Stabilisierung der Mastzellen, können anschließend FODMAP-reiche, aber histaminarme Lebensmittel getestet werden. Diese Strategie nutzt die Tatsache, dass sich die Darmschleimhaut bei konsequenter Entlastung regenerieren kann, wodurch sowohl die DAO-Produktion als auch die FODMAP-Toleranz verbessert werden können.

Die Mastzell-Verbindung

Mastzellen im Reizdarmdarm

Die Forschung der letzten Jahre hat eine zentrale Rolle der Mastzellen in der Pathophysiologie des Reizdarms aufgedeckt. Biopsien der Darmschleimhaut von Reizdarmpatienten zeigen häufig eine erhöhte Anzahl und eine verstärkte Aktivierung von Mastzellen, besonders in der Nähe von Nervenfasern. Laut einer wegweisenden Studie von Barbara et al. im Gastroenterology Journal (2004, repliziert 2019) ist die Nähe aktivierter Mastzellen zu enterischen Nervenfasern der stärkste Prädiktor für die Intensität der Bauchschmerzen bei Reizdarm. Wenn diese Mastzellen degranulieren und Histamin freisetzen, stimulieren sie die Nervenfasern direkt und verursachen Schmerzen und Motilitätsstörungen. Dieser Mechanismus wird als viszerale Hypersensitivität bezeichnet und erklärt, warum Reizdarmpatienten normalen Darmaktivitäten wie Gaspassage als schmerzhaft empfinden.

Das Konzept des mastzellassoziierten Reizdarms

Basierend auf den Erkenntnissen über die Mastzellbeteiligung hat sich das Konzept des mastzellassoziierten Reizdarms (MC-IBS) etabliert, das eine Untergruppe von Reizdarmpatienten beschreibt, bei denen die Mastzellaktivierung der primäre Krankheitsmechanismus ist. Laut einer Übersichtsarbeit im Current Gastroenterology Reports (2021) könnten bis zu 30-50 % der Reizdarmpatienten in diese Kategorie fallen. MC-IBS-Patienten profitieren besonders von mastzellstabilisierenden Therapien und histaminarmer Ernährung. Die Abgrenzung zum Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) ist diagnostisch anspruchsvoll, aber therapeutisch wichtig. Laut der DGAKI sollte bei Reizdarmpatienten mit zusätzlichen systemischen Symptomen (Flush, Kopfschmerzen, Herzrasen) immer an eine Histaminkomponente gedacht werden.

Ein oft übersehener Aspekt bei der Überschneidung von Reizdarm und Histaminintoleranz ist die zentrale Rolle der Diaminoxidase (DAO)-Produktion in der Darmschleimhaut. Während bei Reizdarm-Coaching häufig nur die Symptomatik betrachtet wird, zeigt sich bei genauerer Analyse, dass eine gestörte DAO-Aktivität beide Erkrankungen verstärken kann. Die Darmbarriere, die bei beiden Zuständen oft beeinträchtigt ist, spielt dabei eine Doppelrolle: Einerseits ermöglicht sie das Eindringen von Triggern, die Mastzellen aktivieren, andererseits ist sie der Ort, wo DAO produziert wird. Bei einer Dysbiose der Darmflora - einem häufigen Befund bei Reizdarmpatienten - können histaminproduzierende Bakterienstämme überhand nehmen, während gleichzeitig die DAO-produzierende Darmschleimhaut geschädigt wird. Dieser Teufelskreis erklärt, warum viele Betroffene sowohl auf FODMAP-reiche als auch auf histaminreiche Lebensmittel reagieren. Im Coaching-Kontext bedeutet dies, dass eine isolierte Betrachtung nur einer Komponente oft zu kurz greift - die Darmgesundheit als Ganzes muss im Fokus stehen.

Diagnostik und Abgrenzung

Wie du herausfindest, was du hast

Die Diagnostik bei überlappenden Reizdarm- und HIT-Symptomen erfordert ein strukturiertes Vorgehen, das idealerweise von einem erfahrenen Gastroenterologen begleitet wird. Der erste Schritt ist der Ausschluss organischer Erkrankungen: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Darminfektionen müssen ausgeschlossen werden. Ein DAO-Bluttest kann einen Hinweis auf eine verminderte DAO-Aktivität geben, ist aber als alleiniges Diagnoseinstrument nicht ausreichend. Calprotectin im Stuhl differenziert zwischen entzündlicher Darmerkrankung und funktioneller Störung. Laut der DGAKI ist die diagnostische Goldstandard-Methode die Eliminationsdiät mit anschließender Provokation: Eine vierwöchige histaminarme Diät, gefolgt von gezielter Wiedereinführung histaminreicher Lebensmittel unter ärztlicher Aufsicht. Wenn die Symptome unter der Diät deutlich besser werden und nach der Provokation reproduzierbar wieder auftreten, spricht das für eine Histaminkomponente.

Die Rolle des Ernährungstagebuchs

Ein detailliertes Ernährungstagebuch ist sowohl bei Reizdarm als auch bei Histaminintoleranz ein unverzichtbares Diagnostik-Werkzeug. Dokumentiere nicht nur was du isst, sondern auch wann, wie viel und welche Symptome in den folgenden Stunden auftreten. Notiere zusätzlich Stresslevel, Schlafqualität, Zyklusphase (bei Frauen) und körperliche Aktivität. Bei Reizdarm treten Beschwerden oft unabhängig von bestimmten Lebensmitteln auf, während bei HIT ein klarer zeitlicher Zusammenhang zwischen histaminreicher Nahrung und Symptomen besteht. Ein Muster, bei dem die Beschwerden 30 Minuten bis zwei Stunden nach histaminreichen Mahlzeiten auftreten und mit extraintestinalen Symptomen einhergehen, spricht stark für eine Histaminkomponente. Mehr zum Thema findest du im Artikel über das Ernährungstagebuch bei Histaminintoleranz.

“Die Eliminationsdiät mit Provokation ist bei der Unterscheidung zwischen Reizdarm und Histaminintoleranz diagnostisch wertvoller als jeder Labortest. Während klassische Ernährungstagebücher oft zu oberflächlich bleiben, hat sich ein mehrdimensionaler Tracking-Ansatz bewährt. Dokumentiere nicht nur Nahrungsmittel und Darmsymptome, sondern auch extraintestinale Reaktionen wie Kopfschmerzen, Hautveränderungen oder Herzrasen - diese können entscheidende Hinweise auf eine Histaminkomponente geben. Besonders aufschlussreich ist die Beobachtung von Zeitmustern: Histaminreaktionen treten oft innerhalb von 30 Minuten auf, während FODMAP-bedingte Beschwerden meist erst nach 2-8 Stunden entstehen. Ergänze dein Tagebuch um Stress-Level, Schlafqualität und bei Frauen den Zyklusstatus, da all diese Faktoren sowohl die Reizdarm- als auch die Histaminsymptomatik beeinflussen können. Nach 2-3 Wochen strukturierter Dokumentation entstehen oft klare Muster, die eine gezielte Eliminationsdiät ermöglichen. Diese systematische Vorgehensweise erspart dir das frustrierende Rätselraten und führt schneller zu einer individuell angepassten Ernährungsstrategie.

Ernährungsstrategien, die bei beiden helfen

Low-FODMAP und histaminarm kombinieren

Die Low-FODMAP-Diät ist die am besten untersuchte Ernährungsintervention bei Reizdarm und zeigt bei 60-70 % der Patienten eine Symptomverbesserung. FODMAPs (fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole) sind kurzkettige Kohlenhydrate, die im Dünndarm schlecht aufgenommen werden und im Dickdarm fermentieren, was Gas und Darmsymptome verursacht. Interessanterweise gibt es eine erhebliche Überschneidung zwischen der Low-FODMAP- und der histaminarmen Diät: Viele FODMAP-reiche Lebensmittel sind gleichzeitig histaminreich oder Histaminliberatoren. Laut einer Pilotstudie im Alimentary Pharmacology and Therapeutics (2021) profitieren Patienten mit kombinierten Reizdarm- und HIT-Symptomen am meisten von einer Diät, die beide Ansätze integriert. Praktisch bedeutet das: In der Karenzphase meidest du sowohl FODMAP-reiche als auch histaminreiche Lebensmittel und führst sie in der Testphase getrennt wieder ein.

Verträgliche Grundnahrungsmittel

Die gute Nachricht: Viele Lebensmittel sind sowohl FODMAP-arm als auch histaminarm und bilden eine sichere Basis für deine Ernährung. Reis, Kartoffeln, Möhren, Zucchini, Paprika und Kürbis sind bei beiden Diätansätzen sicher. Frisches Geflügel und frischer Fisch (aus Tiefkühlung) liefern hochwertiges Protein. Haferflocken in kleinen Portionen werden von den meisten Betroffenen vertragen und liefern wertvolle Ballaststoffe. Heidelbeeren und Äpfel (FODMAP-arm, wenn eine halbe Frucht pro Sitzung) bieten Vitamine und Antioxidantien. Frische Kräuter wie Basilikum, Petersilie und Dill bringen Geschmack ohne Histamin oder FODMAPs. Olivenöl und Kokosöl sind sichere Fettquellen. Diese Grundnahrungsmittel bilden die Basis, von der aus du schrittweise deine individuelle Toleranz für weitere Lebensmittel austesten kannst. Mehr Informationen findest du in der Übersicht histaminarmer Lebensmittel.

Mahlzeitenstruktur optimieren

Die Art, wie du isst, ist bei Reizdarm und HIT fast genauso wichtig wie das, was du isst. Kleinere, häufigere Mahlzeiten belasten den Darm weniger als große Portionen und halten den Histaminspiegel stabiler. Laut einer Studie im Neurogastroenterology and Motility Journal (2020) verbessert regelmäßiges Essen ohne lange Fastenperioden die Darmmotilität und reduziert Blähungen. Kaue gründlich und iss langsam, damit die Verdauungsenzyme optimal arbeiten können. Vermeide das Essen unter Stress, da Stresshormone die Darmmotilität verändern und die Mastzellen aktivieren können. Ein fester Mahlzeitenrhythmus mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen gibt deinem Darm die Regelmäßigkeit, die er für eine optimale Funktion braucht.

Die Erfahrung aus der Coaching-Praxis zeigt deutliche Unterschiede in den Erfolgsraten verschiedener Herangehensweisen bei der Überschneidung von Reizdarm und Histaminintoleranz. Während eine reine FODMAP-Diät bei klassischen Reizdarmpatienten in etwa 70% der Fälle Verbesserungen bringt, sinkt diese Rate bei Betroffenen mit zusätzlicher Histaminsymptomatik auf etwa 40-50%. Umgekehrt berichten Personen mit primärer Histaminintoleranz, die auch Darmsymptome haben, bei einer reinen histaminarmen Diät nur in 60% der Fälle von zufriedenstellenden Ergebnissen. Deutlich erfolgreicher ist ein stufenweises Vorgehen: Beginnt man mit einer 4-wöchigen histaminarmen Phase zur Mastzell-Stabilisierung und führt anschließend eine modifizierte FODMAP-Testung durch, steigen die Erfolgsraten auf über 80%. Besonders bemerkenswert ist, dass Betroffene, die zusätzlich Stressmanagement-Techniken und gezielte Darmaufbau-Maßnahmen in ihr Programm integrieren, nach 6 Monaten eine Symptomreduktion von durchschnittlich 85% erreichen. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung eines individualisierten, mehrdimensionalen Coaching-Ansatzes statt starrer Diätvorschriften.

Darmgesundheit als Schlüssel

Probiotika bei Reizdarm und HIT

Die richtige Auswahl von Probiotika ist bei der Kombination von Reizdarm und HIT besonders wichtig, da manche Bakterienstämme Histamin produzieren und die Beschwerden verschlimmern können. Laut der SIGHI sind Lactobacillus rhamnosus GG und Bifidobacterium-Stämme sichere Optionen, die sowohl die Darmflora bei Reizdarm als auch die DAO-Produktion positiv beeinflussen. Eine Meta-Analyse im World Journal of Gastroenterology (2020) bestätigte die Wirksamkeit bestimmter Probiotika bei Reizdarm, wobei besonders Bifidobacterium infantis 35624 eine signifikante Verbesserung der Gesamtsymptome zeigte. Meide probiotische Stämme wie Lactobacillus casei, Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus, die Histamin produzieren. Beginne mit einer niedrigen Dosis und steigere langsam über zwei Wochen, um die Verträglichkeit zu testen.

Darmbarriere reparieren

Die Reparatur der Darmbarriere ist bei beiden Erkrankungen der zentrale therapeutische Ansatz und die Grundlage für langfristige Symptomverbesserung. L-Glutamin (5-10 g täglich) ist die wichtigste Energiequelle für die Darmschleimhautzellen und fördert die Regeneration der Tight Junctions. Zink stärkt die Darmbarriere und unterstützt die Wundheilung im Darm. Butyrat, eine kurzkettige Fettsäure, die von Darmbakterien aus Ballaststoffen produziert wird, nährt die Darmschleimhautzellen und fördert die Expression von Tight-Junction-Proteinen. Laut einer Studie im Gut Microbes Journal (2021) verbessert die Kombination aus Probiotika, Präbiotika und L-Glutamin die Darmbarrierefunktion signifikant. Mehr zur Darmflora bei Histaminintoleranz findest du im vertiefenden Artikel.

Behandlungsstrategie: Reizdarm + HIT
Phase 1Elimination: histaminarm + Low-FODMAP
Phase 2Darmheilung: Probiotika + L-Glutamin
Phase 3Wiedereinführung: Einzeln testen
Erfolg
Individuelle DiätLangfristig stabile Symptome
Persistierend
Weitere DiagnostikMCAS, SIBO ausschließen

Zusammenfassung

Reizdarm und Histaminintoleranz überlappen bei einem erheblichen Anteil der Betroffenen, was sich sowohl in gemeinsamen Symptomen als auch in gemeinsamen Ursachen zeigt. Die Mastzell-Verbindung ist der zentrale Mechanismus: Aktivierte Mastzellen in der Darmschleimhaut setzen Histamin frei, das Nervenfasern stimuliert und Darmsymptome verursacht. Die Diagnostik erfordert ein strukturiertes Vorgehen mit Ausschluss organischer Erkrankungen, Eliminationsdiät und Ernährungstagebuch. Die besten Ergebnisse erzielst du mit einer Ernährung, die sowohl histaminarm als auch FODMAP-arm ist, kombiniert mit gezielter Darmheilung durch verträgliche Probiotika, L-Glutamin und präbiotische Ballaststoffe. Arbeite eng mit einem erfahrenen Gastroenterologen zusammen, der beide Erkrankungen kennt und eine individuelle Strategie für dich entwickeln kann.

Auf einen Blick: Reizdarm und Histaminintoleranz
  • Häufige Überschneidung: Bis zu 50 % der Reizdarmpatienten haben erhöhte Mastzellaktivität
  • Schlüsselmechanismus: Mastzellen im Darm setzen Histamin frei und stimulieren Nervenfasern
  • Diagnostik: Eliminationsdiät + Ernährungstagebuch sind aussagekräftiger als Bluttests
  • Ernährung: Kombination aus histaminarm und Low-FODMAP ist am effektivsten
  • Darmheilung: Probiotika (histaminabbauend), L-Glutamin und Ballaststoffe

Häufige Fragen zu Reizdarm und HIT

Die Symptome überlappen stark, und du kannst auch beides gleichzeitig haben. Hinweise auf eine Histaminkomponente sind: extraintestinale Symptome wie Kopfschmerzen, Flush oder Hautausschlag; ein zeitlicher Zusammenhang zwischen histaminreicher Nahrung und Beschwerden; und eine Besserung unter histaminarmer Diät. Ein reiner Reizdarm ohne Histaminkomponente zeigt meist keine extraintestinalen Symptome und reagiert nicht spezifisch auf histaminarme Ernährung. Eine Eliminationsdiät mit anschließender Provokation unter ärztlicher Begleitung ist der zuverlässigste Weg zur Abgrenzung.

Die Low-FODMAP-Diät allein adressiert nicht die Histaminproblematik, kann aber bei Darmsymptomen helfen, die durch fermentierbare Kohlenhydrate verursacht werden. Da viele FODMAP-reiche Lebensmittel gleichzeitig histaminreich oder Histaminliberatoren sind, gibt es eine natürliche Überschneidung. Die beste Strategie bei kombinierten Symptomen ist, beide Diätansätze zu integrieren: In der Karenzphase meidest du sowohl FODMAPs als auch Histamin, in der Testphase führst du beides getrennt wieder ein, um die jeweiligen Trigger zu identifizieren.

Sichere Stämme, die bei beiden Erkrankungen helfen können, sind Lactobacillus rhamnosus GG, Bifidobacterium infantis 35624, Bifidobacterium longum und Bifidobacterium lactis. Diese Stämme produzieren kein Histamin und haben in Studien sowohl die Reizdarm-Symptomatik als auch die Darmbarriere verbessert. Meide Lactobacillus casei, Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus, die Histamin produzieren. Beginne mit niedrigen Dosen und steigere langsam über zwei Wochen.

Ja, das ist möglich. Ein chronisch entzündeter Reizdarm kann die Darmschleimhaut schädigen und damit die DAO-Produktion verringern. Gleichzeitig kann eine Dysbiose der Darmflora histaminproduzierende Bakterien begünstigen und histaminabbauende Bakterien verdrängen. In diesem Fall wäre die Histaminintoleranz sekundär, also eine Folge des Reizdarms. Die Behandlung des Reizdarms und die Regeneration der Darmschleimhaut können in solchen Fällen auch die HIT-Symptome verbessern. Eine ärztliche Abklärung hilft, die Kausalitäten zu verstehen.

Suche einen Gastroenterologen auf, wenn deine Darmsymptome länger als vier Wochen bestehen, wenn du Blut im Stuhl bemerkst, wenn du ungewollt Gewicht verlierst oder wenn die Beschwerden deine Lebensqualität erheblich einschränken. Alarmsymptome wie nächtliche Durchfälle, Fieber oder starke Schmerzen erfordern eine zeitnahe ärztliche Abklärung, um entzündliche Darmerkrankungen oder andere organische Ursachen auszuschließen. Erwähne sowohl deine Darmsymptome als auch eventuelle extraintestinale Beschwerden, damit der Arzt die Histaminintoleranz als Differenzialdiagnose in Betracht ziehen kann.

Ja, durchaus. Weil sich beide Erkrankungen so stark überschneiden, berichten viele Reizdarmpatienten von deutlicher Besserung durch eine histaminarme Ernährung – auch ohne bestätigte Histaminintoleranz. Es lohnt sich, das für 4–6 Wochen auszuprobieren und zu beobachten, ob sich deine Beschwerden verbessern.

Ein starkes Hinweiszeichen ist, ob du neben Darmbeschwerden auch extraintestinale Symptome kennst – also Kopfschmerzen, Hautröte, Herzrasen oder eine laufende Nase. Treten diese nach bestimmten Mahlzeiten auf, spricht das für Histamin. Gemeinsam mit einem Arzt kannst du einen DAO-Test und ein Ernährungstagebuch als ersten Schritt nutzen.

Ja, das ist möglich und wird zunehmend erforscht. Eine Magen-Darm-Infektion kann das Mikrobiom dauerhaft verändern, die Darmschleimhaut schädigen und die DAO-Produktion reduzieren. Das schafft gleichzeitig einen Nährboden für Reizdarm-Symptome und eine gestörte Histaminverträglichkeit – auch wenn die Infektion schon Jahre zurückliegt.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Histaminintoleranz wende dich an deinen Arzt oder eine qualifizierte Ernährungsberatung.

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Quellen

Sanchez-Perez, S. et al. (2022). “The dietary treatment of histamine intolerance reduces the abundance of some histamine-secreting bacteria of the gut microbiota in histamine intolerant women. A pilot study.” Frontiers in Nutrition, 9, 1018463. Fabisiak, N. et al. (2017). “Small intestinal bacterial overgrowth and histamine intolerance in irritable bowel syndrome.” Przegląd Gastroenterologiczny, 12(3), 187–194. Pugin, B. et al. (2017). “A wide diversity of bacteria from the human gut produces and degrades biogenic amines.” Microbial Biotechnology, 10(5), 1155–1169. Afrin, L. B. et al. (2020). “Diagnosis of mast cell activation syndrome: a global ‘consensus-2’.” Diagnosis, 8(2), 137–152.

BH
Balance Histamin
Fachredaktion für Histaminintoleranz, Ernährung und Darmgesundheit. Medizinisch geprüfte Inhalte auf Basis aktueller Studien und Leitlinien.

Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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