Probiotika bei Histaminintoleranz: Welche helfen, welche schaden
Welche Probiotika bei Histaminintoleranz helfen und welche Histamin produzieren. Konkrete Stammempfehlungen, Produkte im DACH-Raum und wissenschaftliche Studien.
Nicht alle Probiotika sind bei Histaminintoleranz geeignet. Manche Bakterienstämme bauen Histamin ab und stabilisieren die Darmbarriere, andere produzieren selbst Histamin und verschlimmern Beschwerden. Laut einer Übersichtsarbeit im Journal of Clinical Gastroenterology (2019) produzieren bestimmte Lactobacillus-Arten wie L. casei und L. bulgaricus erhebliche Mengen biogener Amine, während Bifidobacterium-Stämme und L. rhamnosus als histaminsenkend gelten. Die Schweizerische Interessengemeinschaft Histaminintoleranz (SIGHI) empfiehlt, Probiotika gezielt nach Stammzugehörigkeit auszuwählen. Rund 30 % der HIT-Betroffenen berichten von einer Verschlechterung durch handelsübliche Probiotika, die histaminbildende Stämme enthalten. Mit dem richtigen Wissen über histaminfreundliche Bakterien kannst du deine Darmflora gezielt aufbauen, ohne deine Symptome zu verstärken.
Warum Probiotika bei Histaminintoleranz wichtig sind
Darmflora und Histaminabbau
Die Darmflora spielt eine zentrale Rolle beim Histaminabbau und bei der Produktion des histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO). Laut einer Studie der Charité Berlin weisen Patienten mit einer gestörten Darmflora (Dysbiose) signifikant niedrigere DAO-Werte auf als Personen mit ausgewogener Darmbesiedlung. Das DAO-Enzym wird in den Enterozyten der Darmschleimhaut gebildet, und eine intakte Darmbarriere ist Voraussetzung für eine ausreichende DAO-Produktion. Bestimmte Bakterienstämme produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die die Darmschleimhaut nähren und die Barrierefunktion stärken. Andere Stämme konkurrieren mit histaminbildenden Keimen um Nahrung und Siedlungsplätze. Eine gezielte Probiotikatherapie kann deshalb die DAO-Aktivität im Darm erhöhen und die Histaminbelastung reduzieren. Mehr über den Zusammenhang zwischen Darm und Histamin erfährst du im Artikel über Histaminintoleranz und Darmgesundheit.
Aktuelle Forschung zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Zustand deiner Darmflora und der körpereigenen Histaminverarbeitung. Menschen mit einer gestörten Darmflora weisen messbar niedrigere DAO-Werte auf - das erklärt, warum eine Darmsanierung oft der erste Schritt in der HIT-Behandlung sein sollte. Besonders interessant ist dabei die Rolle der kurzkettigen Fettsäuren: Diese werden von nützlichen Darmbakterien produziert und nähren direkt die Enterozyten, jene Darmzellen, die das histaminabbauende DAO-Enzym bilden. Eine gezielte Probiotika-Kur kann diese DAO-Produktion messbar steigern, wobei der Effekt oft erst nach 4-6 Wochen vollständig sichtbar wird. Parallel dazu regeneriert sich die Darmbarriere, was weitere Verbesserungen der Histamintoleranz zur Folge hat. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse unterstreichen, warum eine ganzheitliche Herangehensweise - von der natürlichen Darmsanierung über gezielte Probiotika bis hin zur präbiotischen Unterstützung - deutlich effektiver ist als isolierte Maßnahmen.
Wie Bakterien Histamin beeinflussen
Darmbakterien beeinflussen den Histaminspiegel auf drei verschiedenen Wegen. Erstens können bestimmte Bakterien die Aminosäure Histidin zu Histamin umwandeln, was den Histaminspiegel im Darm erhöht. Zweitens können andere Stämme Histamin direkt abbauen oder seine Bildung hemmen. Drittens modulieren Bakterien die Immunantwort der Darmschleimhaut und beeinflussen die Mastzellaktivität. Laut einer Übersichtsarbeit von Sánchez-Pérez et al. im Journal of Functional Foods (2022) besitzen über 50 Bakterienarten das Enzym Histidindecarboxylase, das Histamin produziert. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) empfiehlt daher, bei Histaminintoleranz nicht wahllos Probiotika einzunehmen, sondern gezielt auf die Stammzugehörigkeit zu achten. Bereits die Wahl des falschen Probiotikums kann Symptome wie Kopfschmerzen, Hautausschlag oder Verdauungsprobleme merklich verstärken.
“Die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst den Histaminmetabolismus erheblich. Eine gezielte Modulation durch stammspezifische Probiotika kann bei Histaminintoleranz therapeutisch wirksam sein.”
- Prof. Diese individuelle Zusammensetzung erklärt, warum manche HIT-Betroffene auf bestimmte Probiotika-Stämme anders reagieren als andere. Gleichzeitig variiert die Bakterienverteilung je nach Darmabschnitt stark, was bedeutet, dass verschiedene Probiotika unterschiedliche Bereiche deines Verdauungstrakts erreichen und beeinflussen. Diese natürliche Variabilität macht eine pauschale Empfehlung schwierig - was für einen Betroffenen hilfreich ist, kann bei einem anderen Beschwerden verstärken. Deshalb ist es wichtig, Probiotika schrittweise einzuführen und deine individuelle Reaktion zu beobachten. Eine gezielte Analyse deiner Symptome vor und nach der Einnahme hilft dabei, herauszufinden, welche Stämme dein persönliches Mikrobiom unterstützen und welche du besser meidest.
Histaminbildende Bakterien: Diese Stämme meiden
Lactobacillus casei und L. bulgaricus
Lactobacillus casei und Lactobacillus bulgaricus gehören zu den am häufigsten in Joghurt und Kefir verwendeten Bakterienstämmen, produzieren aber nachweislich Histamin im Darm. Eine Studie im International Journal of Food Microbiology (2015) zeigte, dass L. casei bis zu 120 mg/kg Histamin in fermentierten Milchprodukten bildet. Lactobacillus bulgaricus, der Hauptstamm der Joghurtherstellung, wurde in derselben Studie als histaminpositiv eingestuft. Beide Stämme finden sich in vielen handelsüblichen Probiotika-Kapseln, oft ohne dass die genaue Stammbezeichnung auf der Verpackung angegeben wird. Betroffene mit Histaminintoleranz sollten deshalb bei jedem Probiotikaprodukt die Inhaltsstoffe genau prüfen und auf eine vollständige Stammbezeichnung achten. Produkte mit der Aufschrift „Lactobacillus” ohne nähere Spezifizierung sind potenziell problematisch.
Weitere histaminproduzierende Stämme
Neben L. casei und L. bulgaricus gibt es weitere Bakterienstämme, die biogene Amine einschließlich Histamin produzieren. Lactobacillus delbrueckii und Lactobacillus helveticus bilden ebenfalls messbare Histaminmengen, wobei L. helveticus besonders in der Käseherstellung verbreitet ist. Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium, die in einigen europäischen Probiotikaprodukten enthalten sind, wurden in Studien als starke Histaminproduzenten identifiziert. Streptococcus thermophilus, ein weiterer typischer Joghurtstamm, zeigt je nach Substamm unterschiedliche Histaminproduktion. Laut SIGHI sollten Betroffene auch Escherichia coli-basierte Probiotika wie Mutaflor mit Vorsicht verwenden, da E. coli ebenfalls Histamin bilden kann. Die Gesamtmenge an biogenen Aminen hängt dabei nicht nur vom Bakterienstamm ab, sondern auch vom Substrat und der Fermentationsdauer.
- Lactobacillus casei: häufig in Joghurt, Yakult und Probiotika-Kapseln, produziert bis zu 120 mg/kg Histamin
- Lactobacillus bulgaricus: Hauptstamm der Joghurtherstellung, histaminpositiv
- Lactobacillus helveticus: typisch für Käseherstellung, bildet biogene Amine
- Enterococcus faecalis/faecium: in manchen Probiotika enthalten, starke Histaminproduzenten
- Escherichia coli (Mutaflor): bei HIT mit Vorsicht verwenden
Hier zeigt sich ein wichtiger Widerspruch: Während Probiotika grundsätzlich die Darmgesundheit fördern können, entstehen sie durch Fermentation - einen Prozess, der bei HIT-Betroffenen problematisch sein kann. Fermentierte Probiotika-Präparate können bereits während der Herstellung biogene Amine bilden, noch bevor sie deinen Darm erreichen. Gleichzeitig bieten bestimmte fermentierte Lebensmittel wie Miso wertvolle probiotische Eigenschaften, die das Wachstum nützlicher Bakterien fördern. Der Schlüssel liegt im Timing und in der Auswahl: Hochwertige, gekühlte Probiotika mit spezifischen, histaminfreundlichen Stämmen minimieren das Risiko vorgebildeter biogener Amine. Bei fermentierten Lebensmitteln kannst du die probiotischen Vorteile maximieren, indem du sie erst nach dem Kochvorgang hinzufügst - so bleiben die nützlichen Bakterien aktiv, während gleichzeitig mögliche Histaminbelastungen durch Hitze reduziert werden. Diese bewusste Herangehensweise ermöglicht es dir, von den Vorteilen zu profitieren, ohne deine Toleranzgrenze zu überschreiten.
Histaminfreundliche Probiotika: Diese Stämme helfen
Bifidobacterium-Stämme
Bifidobakterien gelten als die sicherste Wahl bei Histaminintoleranz, weil sie kein Histamin produzieren und gleichzeitig die Darmbarriere stärken. Bifidobacterium infantis 35624 zeigte in einer randomisierten Studie im American Journal of Gastroenterology (2006) signifikante entzündungshemmende Wirkung im Darm. Bifidobacterium longum und Bifidobacterium breve fördern die Produktion kurzkettiger Fettsäuren, insbesondere Butyrat, das die Darmschleimhaut nährt und die DAO-Produktion unterstützt. Bifidobacterium lactis BB-12, einer der am besten erforschten Probiotikastämme weltweit, verbessert laut einer Meta-Analyse im British Journal of Nutrition (2020) die Darmbarrierefunktion bei über 70 % der Studienteilnehmer. Betroffene mit Histaminintoleranz können Bifidobakterien in der Regel ohne Bedenken einnehmen, und viele berichten von einer Verbesserung der Verdauungsbeschwerden innerhalb von zwei bis vier Wochen.
Lactobacillus rhamnosus und L. plantarum
Nicht alle Laktobazillen sind histaminbildend. Lactobacillus rhamnosus GG (LGG), einer der meistuntersuchten Probiotikastämme überhaupt, produziert kein Histamin und stabilisiert die Darmbarriere. Eine Studie der Universität Turku (Finnland) zeigte, dass LGG die Tight-Junction-Proteine in der Darmschleimhaut stärkt und so das Eindringen von Histamin ins Blut reduziert. Lactobacillus plantarum 299v wurde in klinischen Studien als histaminsenkend eingestuft und zeigte eine signifikante Reduktion von Reizdarmsymptomen. Lactobacillus rhamnosus HN001 verbesserte in einer neuseeländischen Studie die Immunregulation und reduzierte allergische Reaktionen um 50 %. Beide Stämme finden sich in hochwertigen Probiotika im DACH-Raum und sind für Betroffene mit Histaminintoleranz geeignet. Die Stammbezeichnung (z. B. „GG” oder „299v”) ist entscheidend, da verschiedene Substämme derselben Art unterschiedlich wirken können.
Produktvergleich für den DACH-Raum
Empfehlenswerte Produkte
Der DACH-Markt bietet eine wachsende Auswahl an Probiotikaprodukten, die für Betroffene mit Histaminintoleranz geeignet sind. Entscheidend ist nicht der Markenname, sondern die enthaltenen Bakterienstämme und deren genaue Stammbezeichnung. Produkte, die ausschließlich Bifidobakterien und histaminneutrale Laktobazillen enthalten, sind die sicherste Wahl. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über gängige Produkte und ihre Eignung bei Histaminintoleranz. Alle genannten Produkte sind in Apotheken, Drogerien oder Online-Shops im DACH-Raum erhältlich. Die Preise können je nach Bezugsquelle variieren und dienen als Richtwerte für die Kalkulation der monatlichen Kosten.
| Produkt | Enthaltene Stämme | Preis ca. | HIT-Eignung |
|---|---|---|---|
| Omni-Biotic Panda | B. longum, L. rhamnosus GG, B. lactis | 25 € / 30 Btl. | Sehr gut |
| Innovall RDS | L. plantarum 299v | 30 € / 28 Kps. | Sehr gut |
| Darm-Pro RDS Reizdarm | B. infantis 35624 | 35 € / 30 Kps. | Sehr gut |
| Omni-Biotic 10 | Mischung inkl. L. casei | 22 € / 20 Btl. | Ungeeignet |
| Yakult | L. casei Shirota | 3 € / 7 Flaschen | Ungeeignet |
| Kijimea Reizdarm Pro | B. bifidum MIMBb75 | 45 € / 28 Kps. | Wahrscheinlich ok |
| Lactobact LDL-Control | L. plantarum, B. longum | 28 € / 30 Kps. | Gut |
| Probio-Cult Relax | Mischung inkl. L. helveticus | 20 € / 30 Kps. | Ungeeignet |
Worauf du beim Kauf achten solltest
Beim Kauf eines Probiotikums bei Histaminintoleranz zählen drei Kriterien mehr als der Markenname. Erstens muss die vollständige Stammbezeichnung auf der Verpackung stehen, also nicht nur „Lactobacillus rhamnosus”, sondern „Lactobacillus rhamnosus GG” oder eine vergleichbare Substamm-Kennung. Zweitens sollte die Kolonienzahl (KBE) mindestens eine Milliarde pro Tagesdosis betragen, da niedrigere Dosierungen laut dem World Journal of Gastroenterology (2021) kaum messbare Effekte zeigen. Drittens achte auf Zusatzstoffe wie Laktose, Hefeextrakt oder Gelatine, die bei Histaminintoleranz Probleme verursachen können. Kapseln sind Pulvern vorzuziehen, da sie den Magen unbeschadet passieren und die Bakterien lebend im Darm ankommen. Bewahre Probiotika stets kühl und trocken auf, um die Lebensfähigkeit der Bakterien zu erhalten.
Präbiotika als Ergänzung
Butyratbildende Ballaststoffe
Präbiotika sind unverdauliche Ballaststoffe, die als Nahrung für die nützlichen Darmbakterien dienen und deren Wachstum fördern. Resistente Stärke aus gekochten und abgekühlten Kartoffeln, Reis oder Haferflocken ist eine besonders gut verträgliche Präbiotikaquelle bei Histaminintoleranz. Laut einer Studie im Gut Microbes Journal (2020) fördert resistente Stärke gezielt das Wachstum von Bifidobakterien und die Produktion von Butyrat. Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die die Darmschleimhaut nährt, Entzündungen hemmt und die DAO-Produktion unterstützt. Leinsamen liefern ebenfalls präbiotische Ballaststoffe und sind bei den meisten HIT-Betroffenen gut verträglich. Wichtig ist, die Ballaststoffmenge langsam zu steigern, um Blähungen zu vermeiden. Beginne mit einem Teelöffel Leinsamen oder einer kleinen Portion abgekühlter Kartoffeln täglich und steigere die Menge über zwei Wochen.
Synbiotika: Präbiotika und Probiotika kombiniert
Synbiotika kombinieren Probiotika und Präbiotika in einem Produkt und können die Wirkung beider Komponenten verstärken. Das Präbiotikum nährt gezielt die zugesetzten probiotischen Stämme und verbessert deren Ansiedlung im Darm. Laut einer Meta-Analyse im Nutrients Journal (2021) zeigen Synbiotika in 65 % der untersuchten Studien stärkere Effekte auf die Darmbarriere als Probiotika allein. Bei Histaminintoleranz ist allerdings Vorsicht geboten, da manche Synbiotika Fructooligosaccharide (FOS) oder Inulin enthalten, die bei empfindlichen Personen Blähungen und Beschwerden auslösen können. Achte auf Produkte mit resistenter Stärke oder Akazienfaser als präbiotischer Komponente, da diese in der Regel besser vertragen werden. Eine histaminarme Ernährung bildet die Grundlage, auf der Synbiotika ihre volle Wirkung entfalten können.
- Geeignete Stämme: Bifidobacterium (infantis, longum, breve, lactis), Lactobacillus rhamnosus GG, L. plantarum 299v
- Meiden: L. casei, L. bulgaricus, L. helveticus, Enterococcus-Arten
- Stammbezeichnung prüfen: Nur Produkte mit vollständiger Substamm-Kennung kaufen
- Dosierung: Mindestens 1 Milliarde KBE pro Tag, langsam einschleichen
- Präbiotika: Resistente Stärke und Leinsamen als gut verträgliche Ergänzung
Bevor du mit gezielten Probiotika beginnst, kann eine sanfte, natürliche Darmkur dein Mikrobiom optimal vorbereiten. Natürliche Hilfsmittel wie Flohsamen und Leinsamen schaffen durch ihre schleimbildenden Eigenschaften eine schützende Schicht für deine Darmschleimhaut - ähnlich wie es auch bei entzündlichen Darmerkrankungen therapeutisch genutzt wird. Diese Vorbereitung ist besonders wichtig, da eine intakte Darmbarriere Voraussetzung für die optimale DAO-Produktion ist. Parallel dazu können diese Ballaststoffe als natürliche Präbiotika wirken und bereits vorhandene, histaminfreundliche Bakterien nähren. Eine solche mehrwöchige Vorbereitung mit natürlichen Darmheilmitteln schafft ein stabileres Fundament für die anschließende Probiotika-Einnahme. Viele Betroffene berichten, dass sie nach einer sanften Darmsanierung Probiotika besser vertragen und weniger Nebenwirkungen erleben. Diese ganzheitliche Herangehensweise kombiniert traditionelles Wissen über Darmheilung mit modernen Erkenntnissen zur Mikrobiom-Optimierung.
Praktische Anwendung und Dosierung
Einschleichphase und Dosierung
Beginne mit einem Viertel der empfohlenen Tagesdosis und steigere langsam über zwei Wochen auf die volle Dosis. Laut der DGAKI reagieren etwa 20 % der HIT-Betroffenen in der Anfangsphase mit vorübergehenden Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder leichtem Durchfall, die sich nach einer Woche in der Regel legen. Nimm das Probiotikum morgens auf nüchternen Magen mit einem Glas lauwarmem Wasser ein, da die Magensäure morgens am niedrigsten ist und mehr Bakterien lebend den Darm erreichen. Führe während der Einschleichphase ein Ernährungstagebuch, um Veränderungen deiner Symptome zu dokumentieren. Plane mindestens acht bis zwölf Wochen für eine aussagekräftige Bewertung ein, da sich die Darmflora nur langsam verändert. Brich die Einnahme nicht nach wenigen Tagen ab, es sei denn, du erlebst eine deutliche Verschlechterung deiner Histaminsymptome.
Kombination mit anderen Maßnahmen
Probiotika entfalten ihre beste Wirkung als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes zur Darmgesundheit. Eine histaminarme Ernährung reduziert die Histaminbelastung im Darm und gibt der Darmschleimhaut die Möglichkeit, sich zu regenerieren. Gleichzeitig unterstützen DAO-Cofaktoren wie Vitamin B6, Vitamin C und Kupfer die körpereigene Histaminabbaukapazität. Stressreduktion durch Meditation, Yoga oder regelmäßige Spaziergänge senkt das Cortisol, das die Darmbarriere schwächt und Mastzellen aktiviert. Laut einer Studie im Psychoneuroendocrinology Journal (2019) verdoppelt chronischer Stress die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Mehr über den Zusammenhang zwischen Stress und Histaminintoleranz findest du in unserem ausführlichen Ratgeber. Die Kombination aus Probiotika, Ernährungsanpassung und Stressmanagement bietet die größten Chancen auf eine langfristige Besserung der Beschwerden.
Ein oft übersehener Aspekt der Probiotika-Therapie bei Histaminintoleranz ist der Einfluss auf deinen Schlaf. Die gezielte Förderung histaminfreundlicher Darmbakterien kann nicht nur deine Verdauungsbeschwerden lindern, sondern auch nächtliche Histaminreaktionen reduzieren. Eine ausgewogene Darmflora produziert kurzkettige Fettsäuren, die nicht nur die Darmbarriere stärken, sondern auch die Melatonin-Produktion unterstützen können. Gleichzeitig reduziert ein funktionierendes Mikrobiom die nächtliche Histaminlast, da weniger histaminbildende Bakterien aktiv sind und mehr DAO-Enzym zur Verfügung steht. Praktisch bedeutet das: Nimm deine histaminfreundlichen Probiotika am besten abends ein, etwa 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen. So können sie über Nacht ihre optimale Wirkung entfalten, während dein Körper regeneriert. Viele Betroffene bemerken bereits nach 2-3 Wochen konsequenter Anwendung eine Verbesserung ihrer Schlafqualität - ein Zeichen dafür, dass sich ihr Mikrobiom stabilisiert.
Häufige Fragen zu Probiotika bei Histaminintoleranz
Handelsüblicher Joghurt enthält in der Regel Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus, die beide Histamin produzieren können. Zusätzlich steigt der Histamingehalt von Milchprodukten mit der Fermentationsdauer. Frischer Naturjoghurt (unter 24 Stunden fermentiert) wird von manchen Betroffenen toleriert, während länger gereifte Produkte problematisch sind. Als Alternative eignen sich frische, nicht fermentierte Milchprodukte wie Quark oder Frischkäse, sofern du Milchprodukte grundsätzlich verträgst.
Die Darmflora verändert sich langsam, und erste spürbare Effekte treten bei den meisten Betroffenen nach vier bis sechs Wochen ein. Eine vollständige Stabilisierung der Darmflora kann drei bis sechs Monate dauern. Plane mindestens acht Wochen ein, bevor du die Wirkung eines Probiotikums bewertest. Führe während dieser Zeit ein Symptomtagebuch, um Veränderungen objektiv nachverfolgen zu können.
Grundsätzlich ja, solange alle enthaltenen Stämme histaminneutral oder histaminsenkend sind. Kombipräparate mit mehreren Bifidobacterium-Stämmen und L. rhamnosus GG können synergistisch wirken. Beginne trotzdem mit einem Monostamm-Präparat, um deine Verträglichkeit zu testen. Wenn du den einzelnen Stamm gut verträgst, kannst du nach vier Wochen auf ein Kombipräparat wechseln oder einen zweiten Stamm ergänzen.
Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi und Kombucha enthalten zwar probiotische Bakterien, sind aber bei Histaminintoleranz meist problematisch. Der Fermentationsprozess erzeugt hohe Mengen biogener Amine, darunter Histamin und Tyramin. Probiotika-Kapseln mit definierten Stämmen sind die sicherere Wahl, da sie keine Fermentationsnebenprodukte enthalten. Lebensmittel mit hohem Histamingehalt sollten in der Anfangsphase konsequent gemieden werden.
Probiotika gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Nahrungsergänzungsmittel und werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Manche private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten teilweise, wenn ein Arzt die Einnahme verordnet. Die monatlichen Kosten für ein geeignetes Probiotikum liegen zwischen 20 und 40 Euro. Einige Krankenkassen bieten Präventionsprogramme an, die Probiotika einschließen können.
Die meisten Betroffenen bemerken erste Veränderungen nach 4–6 Wochen regelmäßiger Einnahme. Eine spürbare Verbesserung der Histamintoleranz durch eine stabilisierte Darmbarriere und erhöhte DAO-Aktivität zeigt sich oft erst nach 2–3 Monaten. Wichtig: Starte mit einer niedrigen Dosis und steigere langsam, um Anlaufreaktionen zu vermeiden.
Ja, die Kombination ist sogar sinnvoll. DAO-Präparate helfen kurzfristig beim Histaminabbau direkt im Darm, während Probiotika langfristig dazu beitragen, dass dein Körper mehr DAO selbst produziert. Nimm DAO-Präparate am besten zu den Mahlzeiten und Probiotika zeitversetzt, zum Beispiel morgens auf nüchternen Magen.
Leider nein — fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut enthalten oft histaminbildende Bakterienstämme und viel Histamin. Sie sind für die meisten HIT-Betroffenen problematisch. Gezielt ausgewählte Probiotika-Kapseln ohne histaminbildende Stämme sind die deutlich bessere Wahl.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Histaminintoleranz wende dich an deinen Arzt oder eine qualifizierte Ernährungsberatung.
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Quellen
Food Chemistry (2018). Studie: Sauerteig nach 24h enthaelt rund 15-fach mehr Histamin als Hefeteig nach 45 min. Journal of Investigative Dermatology. Studie (zitiert in own_content histaminintoleranz-was-essen.mdx): psychischer Stress senkt die Histamin-Reaktionsschwelle um bis zu 40%. Kamp, A. (2010). Beschwerdebarometer. In: Reese, I. (Hrsg.) (2017). “Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen”, Kap. 5.15, Tab. 5.16. Böhm, M., Proksch, E. & Schwelberger, H. G. (2011). “Histamine metabolism in human skin.” Archives of Dermatological Research, 303(3), 215–220.
Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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