Histaminintoleranz vegan leben: So gelingt die Kombination
Histaminintoleranz vegan kombinieren – geht das? Erfahre, welche pflanzlichen Lebensmittel sicher sind, welche du meiden solltest und wie du dennoch ausgewogen isst.
Wer gleichzeitig vegan und mit Histaminintoleranz lebt, steht vor einer besonderen Herausforderung: Viele typisch vegane Lebensmittel – fermentierte Sojaprodukte, Hefeflocken, Rotweinessig oder reife Avocados – gehören ausgerechnet zu den histaminreichsten Kandidaten überhaupt. Gleichzeitig ist eine rein pflanzliche Ernährung bei konsequenter Planung durchaus mit einer histaminarmen Lebensweise vereinbar. Es erfordert jedoch deutlich mehr Wissen darüber, welche pflanzlichen Proteinquellen, Gemüsesorten und Fette wirklich verträglich sind. Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, wie du beide Ernährungsweisen sinnvoll kombinierst, typische Fallstricke vermeidest und trotzdem nährstoffreich und befriedigend isst – ohne ständig auf deine Symptome zu achten oder auf Genuss verzichten zu müssen.
Grundlagen: Was bedeutet Histaminintoleranz vegan?
Was ist Histaminintoleranz?
Histaminintoleranz beschreibt ein Ungleichgewicht zwischen aufgenommenem Histamin und der Fähigkeit des Körpers, dieses abzubauen. Das entscheidende Enzym ist Diaminoxidase (DAO), das vor allem im Dünndarm produziert wird. Ist die DAO-Aktivität zu gering – sei es genetisch bedingt oder durch Darmschäden erworben – akkumuliert Histamin im Blut und löst Symptome wie Kopfschmerzen, Hautreaktionen, Verdauungsbeschwerden oder Herzrasen aus. Comas-Baste et al. (2020) beschreiben in ihrer Übersichtsarbeit, dass die Prävalenz der Histaminintoleranz auf etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung geschätzt wird, wobei Frauen mittleren Alters häufiger betroffen sind. Histamin entsteht dabei nicht nur in Lebensmitteln selbst, sondern kann auch durch körpereigene Prozesse freigesetzt werden. Entscheidend ist zudem, dass bestimmte Substanzen – sogenannte Histaminliberatoren und DAO-Hemmer – die Beschwerden verschlimmern, auch wenn sie selbst wenig Histamin enthalten.
Warum ist die vegane Ernährung besonders herausfordernd?
Die vegane Ernährungsweise setzt traditionell stark auf fermentierte Produkte, gereiften Käseersatz, Hefeflocken als Würzmittel sowie auf bestimmte Hülsenfrüchte und Sojaprodukte – und genau diese Lebensmittelgruppen sind für Menschen mit Histaminintoleranz problematisch. Fermentation erzeugt Histamin und andere biogene Amine in großen Mengen, weshalb Tempeh, Miso, Sojasoße und Sauerkraut besonders hohe Konzentrationen aufweisen. Gleichzeitig sind viele vegane Genussmittel wie Schokolade, Rotwein oder Tomatenprodukte klassische Auslöser. Schnedl & Enko (2021) wiesen darauf hin, dass der Ursprung der Histaminintoleranz häufig im Darm liegt, was bei einer veganen Ernährung mit viel Ballaststoffen – die gut für das Mikrobiom sind – sowohl helfen als auch stören kann, je nach individuellem Darmmilieu. Die gute Nachricht ist: Es gibt zahlreiche pflanzliche Lebensmittel, die wenig Histamin enthalten und trotzdem eine vollwertige Ernährung ermöglichen.
Der individuelle Schwellenwert
Histaminintoleranz ist keine Allergie mit klar definierten Auslösern, sondern eine dosisabhängige Unverträglichkeit. Das bedeutet, dass nicht alle Betroffenen auf dieselben Lebensmittel gleich reagieren und der persönliche Schwellenwert stark variiert. Ein Lebensmittel, das bei einer Person täglich verträglich ist, kann bei einer anderen bereits in kleinen Mengen Symptome auslösen. Diese Individualität macht eine starre Verbotsliste wenig hilfreich. Stattdessen empfiehlt sich ein strukturiertes Eliminationsprotokoll gefolgt von gezielter Wiedereinführung einzelner Lebensmittel. Gerade im veganen Kontext lohnt es sich, ein Ernährungstagebuch zu führen, um herauszufinden, welche pflanzlichen Proteinquellen und Gemüsesorten persönlich gut vertragen werden. Dieser individualisierte Ansatz spart langfristig Energie und verhindert unnötige Einschränkungen.
Problematische vegane Lebensmittel bei Histaminintoleranz
Fermentierte Sojaprodukte und Hefeflocken
Fermentierte Sojaprodukte gehören zu den stärksten Histaminquellen überhaupt. Tempeh entsteht durch Pilzfermentation und weist sehr hohe Histaminwerte auf; Miso und Sojasoße entstehen durch monatelange Fermentation und enthalten neben Histamin auch andere biogene Amine wie Tyramin und Putrescin, die DAO zusätzlich blockieren können. Hefeflocken, die in der veganen Küche als Käseersatz und Würzmittel sehr beliebt sind, enthalten ebenfalls hohe Mengen an biogenen Aminen und gelten als DAO-Hemmer. Maintz & Novak (2007) zeigten in ihrer wegweisenden Übersichtsarbeit, dass nicht nur der Histamingehalt eines Lebensmittels relevant ist, sondern auch die gleichzeitige Aufnahme von DAO-Hemmern die Symptomatik erheblich verschlechtern kann. Für vegan lebende Menschen mit Histaminintoleranz bedeutet dies, dass typische Grundzutaten wie Sojasoße, Tamari, Miso und Hefeflocken konsequent gemieden oder durch histaminarme Alternativen ersetzt werden müssen, ohne dabei auf Geschmack zu verzichten.
Avocado, Spinat und weitere kritische Gemüsesorten
Avocado ist in der veganen Ernährung allgegenwärtig – als Aufstrich, in Smoothies oder als Fettquelle – doch für Menschen mit Histaminintoleranz ist sie ein häufiger Auslöser. Avocado enthält nicht nur Histamin selbst, sondern wirkt auch als Histaminliberator. Spinat ist ein weiteres Beispiel: nutritiv wertvoll und proteinreicher als viele andere Blattgemüse, aber gleichzeitig einer der stärksten pflanzlichen Histaminlieferanten. Auch Tomaten, Auberginen und Paprika enthalten Histamin oder Histaminliberatoren in relevanten Mengen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Veganer mit Histaminintoleranz auf alle nährstoffdichten Gemüsesorten verzichten müssen. Es geht vielmehr darum, gezielt zu substituieren: Spinat lässt sich durch Mangold oder Pak Choi ersetzen, Tomaten durch Zucchini oder Kürbis, und Avocado durch Kokos- oder Olivenöl als Fettquelle. Mit etwas Übung entstehen so neue Lieblingsgerichte.
Schokolade, Nüsse und Fertigprodukte
Kakao und Schokolade – gerade in der veganen Welt durch dunkle Sorten und Rohkakao sehr präsent – gehören zu den bekanntesten Histaminliberatoren und sollten bei ausgeprägter Intoleranz vollständig gemieden werden. Nüsse wie Walnüsse, Cashews und Erdnüsse enthalten ebenfalls biogene Amine oder wirken als Liberatoren. Vegane Fertigprodukte, die oft als praktische Lösung erscheinen, sind häufig reich an Würzzusätzen auf Hefe- oder Tomatenbasis sowie an Essig und Konservierungsstoffen – allesamt problematisch. Wer histaminarm und vegan leben möchte, ist gut beraten, möglichst viele Mahlzeiten selbst zuzubereiten und Zutatenlisten genau zu lesen. Damit wird die Küche zum wichtigsten Werkzeug.
Sichere pflanzliche Proteinquellen
Hülsenfrüchte: Was ist verträglich?
Hülsenfrüchte sind das Rückgrat der veganen Proteinversorgung, doch nicht alle sind für Menschen mit Histaminintoleranz gleich verträglich. Kichererbsen und Linsen gelten generell als verträglicher als Sojabohnen oder fermentierte Hülsenfrüchte. Wichtig ist dabei vor allem die Frische und Zubereitungsweise: Frisch gekochte Hülsenfrüchte enthalten deutlich weniger biogene Amine als Konserven, da Histamin beim Lagerungsprozess entsteht. Wer Kichererbsen oder Linsen aus getrockneten Hülsenfrüchten selbst kocht und sofort oder nach dem Einfrieren verzehrt, reduziert die Histaminbelastung erheblich. Eingefrorene gekochte Linsen sind eine praktische Lösung für den Alltag. Tofu aus nicht fermentiertem Soja wird von manchen Betroffenen gut vertragen, ist aber individuell zu testen – in jedem Fall besser als Tempeh oder fermentierte Sojaprodukte. Die «Creamy» Gemüse-Pasta histaminarm zeigt, wie eine pflanzlich-histaminarme Mahlzeit mit wenig Aufwand gelingt.
Getreide und Pseudogetreide als Proteinquelle
Quinoa, Hirse, Buchweizen und Hafer sind ausgezeichnete pflanzliche Proteinquellen, die gleichzeitig als histaminarm gelten und in der veganen Ernährung eine zentrale Rolle spielen können. Sie liefern essentielle Aminosäuren und lassen sich vielseitig einsetzen – als Basis für Frühstücksbowls, Salate, herzhafte Gerichte oder sogar Desserts. Quinoa enthält alle neun essentiellen Aminosäuren und eignet sich hervorragend als Ersatz für histaminreichere Proteinquellen. Buchweizen punktet zusätzlich mit Rutin, einem Bioflavonoid, das entzündungshemmend wirken kann. Hafer ist besonders gut für das Mikrobiom, was angesichts der Darm-Histamin-Verbindung – wie Schnedl & Enko (2021) beschreiben – besonders relevant ist. Das Happy Darm Müesli histaminarm ist ein konkretes Beispiel für ein histaminarmes, veganes Frühstück auf Haferbasis, das Geschmack und Verträglichkeit verbindet.
Hanfsamen, Chiasamen und andere Samenkerne
Hanfsamen sind eine der wenigen pflanzlichen Quellen, die alle essentiellen Aminosäuren in gutem Verhältnis liefern und gleichzeitig als histaminarm gelten. Chiasamen sind ebenfalls verträglich und liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken können. Kürbiskerne werden von vielen Betroffenen gut toleriert und sind eine gute Quelle für Zink – ein Mineral, das zur DAO-Funktion beiträgt. Sonnenblumenkerne und Sesam sind histaminärmer als Walnüsse oder Cashews und können als Topping oder in Dressings eingesetzt werden. Bei allen Samenkernen gilt: frisch kaufen, trocken lagern und rasch verbrauchen, denn mit zunehmender Lagerzeit steigt der Histamingehalt. Eine abwechslungsreiche Kombination dieser Proteinquellen macht es auch ohne Sojaprodukte möglich, den täglichen Proteinbedarf zu decken.
Takeaway: Die besten pflanzlichen Proteinquellen bei Histaminintoleranz sind frisch gekochte Linsen und Kichererbsen, Quinoa, Hafer, Buchweizen sowie Hanfsamen und Kürbiskerne. Fermentierte Sojaprodukte und Hefeflocken sollten konsequent gemieden werden.
Histaminarmes Gemüse und Obst für Veganer
Gemüsesorten mit niedrigem Histamingehalt
Die gute Nachricht für vegan lebende Menschen mit Histaminintoleranz: Der größte Teil der Gemüsewelt ist gut verträglich. Zucchini, Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, Pak Choi, Lauch, Fenchel, Kohlrabi, Erbsen, grüne Bohnen, Süßkartoffeln und Kartoffeln gelten als histaminarm und bilden eine hervorragende Basis für eine abwechslungsreiche Küche. Besonders Blumenkohl ist vielseitig – er lässt sich als Basis für cremige Saucen verwenden, wie die Histaminarme Blumenkohlpasta (Sauce) eindrucksvoll zeigt, und ersetzt dabei Rahmsaucen ohne Histaminbelastung. Auch Gefüllte Paprika (histaminarm) – wobei normale rote Paprika für viele Betroffene problematisch ist, aber frische grüne Paprika oft verträglicher – bietet eine sättigende und nährstoffreiche Option. Die Auswahl an verträglichem Gemüse ist so groß, dass Abwechslung im Alltag problemlos möglich ist.
Verträgliches Obst bei Histaminintoleranz
Beim Obst ist Vorsicht geboten: Erdbeeren, Himbeeren, Zitrusfrüchte und Ananas gehören zu den bekanntesten Histaminliberatoren und sollten bei Histaminintoleranz gemieden werden. Gut verträglich sind hingegen Äpfel, Birnen, Blaubeeren, Melonen, Mango und Trauben. Blaubeeren sind dabei besonders wertvoll, da sie reich an Antioxidantien sind und das Mikrobiom positiv beeinflussen können. Mango liefert Vitamin C in verträglicher Form, ohne als starker Liberator zu wirken. Bei Obst gilt generell: Frisch ist besser als getrocknet oder verarbeitet, da Histamin beim Reifen, Lagern und Verarbeiten entsteht. Tiefkühlfrüchte ohne Zusätze sind eine gute Alternative zu frischem Obst außerhalb der Saison, sofern sie direkt nach der Ernte eingefroren wurden und keine Lagerzeit hatten.
Kräuter und Gewürze ohne Histaminbelastung
Kräuter und Gewürze sind die wichtigsten Verbündeten einer histaminarmen veganen Küche, da sie Geschmack liefern ohne Histamin zu enthalten. Frische Kräuter wie Petersilie, Basilikum, Thymian, Oregano, Rosmarin und Schnittlauch sind gut verträglich und vielseitig einsetzbar. Knoblauch und Zwiebeln können für manche Betroffene problematisch sein, werden aber von vielen gut toleriert. Ingwer gilt als entzündungshemmend und unterstützt möglicherweise die Darmgesundheit. Kurkuma ist ein weiteres Gewürz mit antientzündlichem Potenzial. Zu meiden sind hingegen Chilipulver, Paprikapulver (geräuchert), Zimt und fermentierte Würzsaucen jeglicher Art. Mit frischen Kräutern, Olivenöl, Zitronenzeste und etwas Salz lassen sich herrlich aromatische Gerichte zubereiten, die den Gaumen befriedigen – völlig ohne Histaminbelastung.
Nährstoffversorgung gezielt sicherstellen
Kritische Nährstoffe bei veganer Histaminintoleranz
Wer vegan und histaminarm lebt, schränkt seine Ernährung doppelt ein und riskiert Nährstoffmängel, wenn nicht gezielt gegengesteuert wird. Vitamin B12 kann über die Nahrung vegan nicht ausreichend aufgenommen werden und muss supplementiert werden – das gilt unabhängig von der Histaminintoleranz. Eisen aus pflanzlichen Quellen (Non-Häm-Eisen) wird schlechter aufgenommen als aus tierischen Quellen, weshalb auf eine ausreichende Zufuhr aus Linsen, Kürbiskernen und Quinoa geachtet werden muss. Omega-3-Fettsäuren aus ALA (Leinöl, Chiasamen, Hanfsamen) können vom Körper nur begrenzt in die aktiven Formen EPA und DHA umgewandelt werden; eine Supplementierung mit Algenöl ist daher sinnvoll. Calcium kann über Brokkoli, Pak Choi, Sesam und angereicherte Pflanzendrinks aufgenommen werden. Ein regelmäßiger Bluttest hilft, Mängel frühzeitig zu erkennen.
Zink, Vitamin C und DAO-Unterstützung
Zink spielt eine wichtige Rolle im Enzymhaushalt und wird auch mit der DAO-Aktivität in Verbindung gebracht. Pflanzliche Zinkquellen wie Kürbiskerne, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide sind bei veganer Histaminintoleranz gut geeignet, allerdings reduzieren Phytate aus Vollkornprodukten die Bioverfügbarkeit. Einweichen und Keimen von Hülsenfrüchten und Getreide reduziert den Phytatgehalt und verbessert die Zinkaufnahme erheblich. Vitamin C aus verträglichen Quellen wie Äpfeln, Brokkoli oder Papaya unterstützt die Eisenaufnahme und wirkt antioxidativ. Manche Betroffene profitieren von einer unterstützenden DAO-Supplementierung, insbesondere zu histaminreicheren Mahlzeiten. Diese Entscheidung sollte jedoch immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden, da die Studienlage zur DAO-Supplementierung noch begrenzt ist und individuelle Faktoren eine große Rolle spielen.
Darmgesundheit als Schlüsselfaktor
Da Histaminintoleranz häufig mit einer veränderten Darmfunktion zusammenhängt, ist die Pflege des Mikrobioms besonders wichtig. Schnedl & Enko (2021) beschreiben überzeugend, dass eine gestörte Darmschleimhaut die DAO-Produktion beeinträchtigen kann, was den Teufelskreis aus erhöhter Histaminbelastung und reduziertem Abbau antreibt. Eine ballaststoffreiche vegane Ernährung kann das Mikrobiom positiv beeinflussen, sofern sie nicht gleichzeitig reich an fermentierenden Problemstoffen ist. Präbiotische Lebensmittel wie Hafer, Leinsamen, Chicorée oder Topinambur fördern das Wachstum nützlicher Bakterien. Probiotika in Form von fermentierten Lebensmitteln scheiden aufgrund ihres Histamingehalts aus – hier können gezielte Supplementierungen mit Lactobacillus rhamnosus (histaminabbauend) eine Alternative sein, wobei die Auswahl des richtigen Stamms entscheidend ist.
Takeaway: Bei veganer Histaminintoleranz sind Vitamin B12, Eisen, Omega-3 (Algenöl), Zink und Calcium die kritischsten Nährstoffe. Regelmäßige Bluttests und gegebenenfalls Supplementierung sind unverzichtbar – kombiniert mit darmfreundlicher Ernährung für eine bessere DAO-Produktion.
Alltagstipps und Mahlzeitenplanung
Meal Prep und Frische als Prinzip
Der wichtigste Grundsatz in der histaminarmen veganen Küche lautet: Frische vor Fertigem. Histamin entsteht vor allem beim Lagern, Reifen und Verarbeiten von Lebensmitteln, weshalb frisch zubereitete Mahlzeiten grundsätzlich besser verträglich sind als Reste vom Vortag. Meal Prep funktioniert bei Histaminintoleranz nur dann, wenn Speisen sofort eingefroren statt im Kühlschrank aufbewahrt werden. Gekochte Linsen, portionierte Hülsenfrüchte oder fertige Saucen können problemlos eingefroren und bei Bedarf direkt aus dem Tiefkühler erhitzt werden – das erhöht die Alltagstauglichkeit enorm. Wer die Woche plant und stets frische Grundzutaten vorrätig hat, vermeidet Griffe zu histaminreichen Fertigprodukten im Alltag. Auch einfache histaminarme vegane Rezepte wie die «Creamy» Gemüse-Pasta histaminarm lassen sich in wenigen Minuten zubereiten und erfüllen dabei alle Verträglichkeitskriterien.
Einkaufen und Etiketten lesen
Im Supermarkt lauern zahlreiche versteckte Histaminquellen in veganen Produkten. Würzpasten auf Hefebasis, Tomatenpüree als Grundzutat, Essig in Dressings, Zitronensäure als Konservierungsmittel und fermentierte Zutaten sind in veganen Fertigprodukten besonders häufig. Wer die Zutatenliste lesen kann und weiß, worauf zu achten ist, trifft beim Einkauf bessere Entscheidungen. Eine kurze Zutatenliste ist in der Regel ein gutes Zeichen. Frische Produkte aus dem Gemüse- und Getreidebereich sind nahezu immer die sicherste Wahl. Pflanzliche Milchalternativen wie Hafer-, Mandel- oder Reisdrink sind meist histaminarm – allerdings sollte auf Zusätze wie Vitamin C (Ascorbinsäure) oder Aromen geachtet werden, die für manche Betroffene problematisch sein können. Histaminarme vegane Rezepte findest du auch auf /rezepte/.
Soziales Essen und Auswärts
Vegan auswärts essen ist bereits eine Herausforderung – vegan und histaminarm ist nochmals komplexer. In Restaurants hilft es, vorab die Speisekarte zu prüfen und direkt nachzufragen, ob Gerichte auf Hefe-, Tomaten- oder Sojabasis basieren. Mediterrane, asiatische (ohne Sojasoße) oder einfache europäische Küchen bieten oft Gerichte, die sich leicht anpassen lassen. Es kann hilfreich sein, kleine Notfallkarten mit den wichtigsten zu meidenden Zutaten dabei zu haben. Bei Einladungen hilft eine offene Kommunikation mit den Gastgebern und das Anbieten, ein eigenes Gericht mitzubringen. Das klingt zunächst aufwendig, wird mit der Zeit zur Routine. Außerdem hilft der Fokus auf das Erlebnis des gemeinsamen Essens, statt auf die Einschränkungen – was emotional einen großen Unterschied macht.
FAQ
Ja, mit gezielter Planung ist eine ausreichende Proteinversorgung gut möglich. Frisch gekochte Linsen, Kichererbsen, Quinoa, Tofu (individuell testen), Hanfsamen, Kürbiskerne und Hafer liefern zusammen alle essentiellen Aminosäuren. Entscheidend ist, auf Frische zu achten und fermentierte Sojaprodukte sowie Hefeflocken zu meiden.
Tofu aus nicht fermentiertem Soja wird von einem Teil der Betroffenen gut vertragen, ist aber sehr individuell. Frischer, ungewürzter Tofu ist deutlich verträglicher als fermentierter Tofu oder Sojaprodukte wie Tempeh und Miso. Ein persönlicher Verträglichkeitstest im Rahmen einer Eliminationsdiät ist empfehlenswert.
Haferdrink, Reisdrink und Mandeldrink (ohne Aromen und ohne Ascorbinsäure-Zusatz) gelten als histaminarm und werden von vielen Betroffenen gut toleriert. Sojadrink kann für manche problematisch sein. Kokosdrink ist ebenfalls eine Option, wobei die Verträglichkeit individuell variiert.
Nicht unbedingt. Histaminintoleranz ist oft behandelbar, besonders wenn die Ursache in einer Darmerkrankung liegt. Eine gezielte Therapie der Grunderkrankung, Darmaufbau und gelegentliche DAO-Supplementierung können den Schwellenwert langfristig erhöhen. Viele Betroffene können nach einer Phase der Eliminationsdiät und Stabilisierung wieder mehr Vielfalt einführen.
Notiere täglich alle verzehrten Lebensmittel und Zubereitungsarten, den Zeitpunkt der Mahlzeiten, aufgetretene Symptome sowie weitere Faktoren wie Stresslevel oder Schlaf. Nach zwei bis vier Wochen zeigen sich Muster, die helfen, persönliche Auslöser zu identifizieren. Digitale Apps für Ernährungstagebücher können diesen Prozess erleichtern.
Ja, das ist möglich. Frische Hülsenfrüchte wie Kichererbsen oder weiße Bohnen, unfermentierter Tofu und frische Hanfsamen sind gute Eiweißquellen mit niedrigem Histamingehalt. Wichtig ist, Produkte frisch zu kaufen, schnell zu verarbeiten und auf fermentierte Alternativen wie Tempeh oder Sojasoße zu verzichten.
Hafermilch, Reismilch und selbst gemachte Mandelmilch aus frischen Mandeln gelten als vergleichsweise gut verträglich. Fermentierte Varianten wie Sojajoghurt oder Kokosjoghurt solltest du dagegen meiden. Schau beim Kauf immer auf die Zutatenliste — Zusatzstoffe und Aromastoffe können ebenfalls Symptome auslösen.
Am hilfreichsten ist ein strukturiertes Ernährungstagebuch: Notiere, was du gegessen hast und welche Symptome danach auftraten. Starte mit einer histaminarmen Basisernährung und teste neue Lebensmittel einzeln in kleinen Mengen. Eine Ernährungsberatung mit Erfahrung in Histaminintoleranz kann diesen Prozess deutlich einfacher und sicherer machen.
Quellen
- Maintz, L. & Novak, N. (2007). “Histamine and histamine intolerance.” American Journal of Clinical Nutrition, 85(5), 1185–1196.
- Comas-Baste, O. et al. (2020). “Histamine Intolerance: The Current State of the Art.” Biomolecules, 10(8), 1181.
- Schnedl, W. J. & Enko, D. (2021). “Histamine Intolerance Originates in the Gut.” Nutrients, 13(4), 1262.
- Mušič, E. et al. (2013). “Serum diamine oxidase activity as a diagnostic test for histamine intolerance.” Wiener Klinische Wochenschrift, 125(9–10), 239–243.
- Schwelberger, H. G. (2010). “Histamine intolerance: overestimated or underestimated?” Inflammation Research, 59(Suppl 2), S219–S221.
Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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