Histamin Abbau Leber: Wie dein Körper Histamin abbaut und warum es scheitert

Erfahre, wie die Leber beim Histamin-Abbau eine zentrale Rolle spielt, welche Enzyme dabei wirken und was bei Histaminintoleranz schiefläuft.

Wer unter Histaminintoleranz leidet, fragt sich oft: Warum reagiert mein Körper so heftig auf Lebensmittel, die andere problemlos vertragen? Ein zentraler Teil der Antwort liegt in der Leber und in den Enzymen, die für den Histamin-Abbau verantwortlich sind. Histamin ist eine körpereigene Substanz, die in zahlreichen physiologischen Prozessen eine Rolle spielt – von der Immunabwehr bis zur Magensäureproduktion. Gleichzeitig gelangt Histamin über die Nahrung in den Körper und muss zuverlässig abgebaut werden. Funktioniert dieser Abbau nicht reibungslos, häuft sich Histamin im Gewebe und Blut an, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann. Maintz & Novak (2007) beschrieben diesen Mechanismus ausführlich und wiesen darauf hin, dass ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Histaminaufnahme und Histaminabbau die eigentliche Ursache der Histaminintoleranz darstellt. Die Leber spielt in diesem System eine oft unterschätzte Schlüsselrolle.

Histamin im Körper: Grundlagen des Abbaus

Was ist Histamin und woher kommt es?

Histamin ist ein biogenes Amin, das im menschlichen Körper aus der Aminosäure Histidin durch das Enzym Histidindecarboxylase gebildet wird. Es kommt in nahezu allen Geweben vor und wird vor allem in Mastzellen und basophilen Granulozyten gespeichert. Bei einer Immunreaktion, aber auch bei bestimmten Nahrungsmitteln, wird Histamin freigesetzt und entfaltet seine Wirkung an spezifischen Rezeptoren – mit Auswirkungen auf die Blutgefäße, den Magen-Darm-Trakt, die Haut und das Nervensystem.

Zwei Wege des Histaminabbaus

Der Körper kennt im Wesentlichen zwei enzymatische Wege, um überschüssiges Histamin zu neutralisieren. Der erste und für das Verständnis der Nahrungshistamin-Problematik wichtigste Weg verläuft über die Diaminoxidase (DAO), die vor allem im Darm aktiv ist. Der zweite Weg nutzt die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT), die hauptsächlich intrazellulär wirkt und besonders in Leber, Nieren und dem zentralen Nervensystem vorkommt. Beide Enzyme müssen ausreichend aktiv und in genügender Menge vorhanden sein, damit Histamin rasch abgebaut wird, bevor es systemische Wirkungen entfalten kann. Comas-Baste et al. (2020) stellten in ihrem Übersichtsartikel dar, dass eine verminderte Aktivität dieser Enzyme – aus genetischen oder umweltbedingten Gründen – direkt zur Entstehung einer Histaminintoleranz beiträgt. Fehlt diese Kapazität, kumuliert Histamin im Blut und verursacht Symptome, die einem allergischen Geschehen täuschend ähnlich sehen können, obwohl keine echte Allergie vorliegt. Verstehen Betroffene diesen biochemischen Hintergrund, öffnet sich ein erster wichtiger Schritt zur gezielten Verbesserung ihrer Situation.

Histamin als Botenstoff verstehen

Histamin ist kein reines Gift, sondern ein lebenswichtiger Botenstoff. Es reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus, stimuliert die Magensäureproduktion und wirkt als Neurotransmitter. Diese Doppelrolle macht die Behandlung von Histaminintoleranz so komplex: Es geht nicht darum, Histamin vollständig zu eliminieren, sondern darum, eine gesunde Balance zwischen Produktion, Aufnahme und Abbau herzustellen. Gelingt dieser Ausgleich nicht, entstehen die typischen Beschwerden – von Kopfschmerzen über Hautreaktionen bis zu Verdauungsproblemen.

Die Leber als zentrales Abbauorgan

Warum die Leber beim Histaminabbau entscheidend ist

Die Leber ist das wichtigste Entgiftungsorgan des Körpers und spielt beim Histaminabbau eine zentrale, häufig unterschätzte Rolle. Während die DAO primär im Dünndarmepithel wirkt und verhindern soll, dass mit der Nahrung aufgenommenes Histamin ins Blut gelangt, ist die Leber der Hauptort der HNMT-abhängigen Histamininaktivierung. Histamin, das die Darmbarriere überwunden hat, gelangt über die Pfortader direkt in die Leber. Dort wird es – sofern die Leberfunktion intakt ist – von der HNMT methyliert und damit inaktiviert. Dieser sogenannte First-Pass-Effekt bedeutet, dass eine gesunde Leber große Mengen Histamin abfangen kann, bevor sie den systemischen Kreislauf erreichen. Ist die Leber jedoch durch chronische Erkrankungen, übermäßigen Alkoholkonsum, Medikamente oder eine Fettleber belastet, sinkt diese Abbaukapazität erheblich. Dann reichen selbst moderate Histaminmengen aus der Nahrung aus, um Symptome auszulösen. Für Betroffene mit Histaminintoleranz bedeutet das: Die Lebergesundheit ist kein Nebenaspekt, sondern ein zentraler Baustein im Gesamtkonzept der Beschwerdelinderung.

Der First-Pass-Mechanismus der Leber

Wenn Histamin aus dem Darm resorbiert wird, passiert es zunächst die Pfortader und gelangt in die Leberzellen. Dort stehen mehrere Enzymsysteme bereit, um es zu metabolisieren. Die HNMT katalysiert die Übertragung einer Methylgruppe auf das Histaminmolekül, wodurch N-Methylhistamin entsteht – eine weitgehend inaktive Verbindung, die anschließend über den Urin ausgeschieden wird. Daneben kann Histamin in der Leber auch durch Monoaminooxidasen (MAO) weiter abgebaut werden. Dieser mehrstufige Prozess ist jedoch auf eine ausreichende Enzymaktivität und ausreichende Kofaktoren – insbesondere Vitamin B6, Kupfer und Vitamin C – angewiesen. Fehlen diese Nährstoffe oder ist die Leberzellmasse durch Erkrankungen reduziert, wird der Histaminabbau langsamer und unvollständiger.

Leber und Histaminspeicherung

Ein weniger bekannter Aspekt ist, dass die Leber nicht nur abbaut, sondern unter pathologischen Bedingungen auch zur Histaminquelle werden kann. Bei Leberentzündungen, Fibrose oder Zirrhose können Mastzellen in der Leber aktiviert werden und Histamin freisetzen. Dies kann einen Teufelskreis auslösen: Die entzündete Leber produziert mehr Histamin, baut es gleichzeitig schlechter ab und belastet damit den gesamten Organismus mit erhöhten Histaminspiegeln – ein Zusammenhang, der besonders für Betroffene mit begleitenden Lebererkrankungen relevant ist.

DAO und HNMT: Die zwei Schlüssel-Enzyme

Die Diaminoxidase (DAO): Wächter im Darm

Die DAO ist das primäre Enzym für den Abbau von exogen zugeführtem Histamin – also jenem, das über Lebensmittel in den Körper gelangt. Sie wird hauptsächlich von den Enterozyten des Dünndarms produziert und ins Darmlumen sowie ins Blut abgegeben. Dort oxidiert sie Histamin und andere biogene Amine, bevor sie in den Blutkreislauf gelangen. Eine geminderte DAO-Aktivität ist laut Mušič et al. (2013) ein zuverlässiger Marker für Histaminintoleranz: In ihrer Studie zeigten Betroffene mit typischen Histaminintoleranz-Symptomen signifikant niedrigere Serum-DAO-Werte als beschwerdefreie Kontrollpersonen. Die DAO-Aktivität kann durch genetische Varianten, Entzündungen der Darmschleimhaut, bestimmte Medikamente wie Antihistaminika, NSAID oder Antibiotika sowie durch Alkohol und Alkohol abbauende Enzyme dauerhaft oder vorübergehend reduziert werden. Eine ausreichende DAO-Funktion ist daher die erste Verteidigungslinie gegen nahrungsbedingtes Histamin.

Die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT): Das intrazelluläre Backup

Während die DAO extrazellulär im Darm und Blut wirkt, ist die HNMT ein intrazelluläres Enzym, das vor allem in Leber, Nieren, Bronchialschleimhaut und im Zentralnervensystem aktiv ist. Sie benötigt S-Adenosyl-L-Methionin (SAM) als Methylgruppendonor und ist damit eng mit dem Methylierungsstoffwechsel des Körpers verknüpft. Bekannte Polymorphismen im HNMT-Gen können die Enzymaktivität um bis zu 50 Prozent reduzieren und damit eine genetische Prädisposition für Histaminintoleranz begründen. In der Leber spielt die HNMT die tragende Rolle: Histamin, das die DAO-Barriere im Darm überwunden hat, wird hier als letzter großer Filter abgefangen. Stellt man sich DAO und HNMT als zwei hintereinandergeschaltete Sicherheitsnetze vor, wird deutlich, warum ein Versagen beider Systeme zu erheblichen Beschwerden führt, während ein Defizit nur einer Komponente oft noch kompensiert werden kann.

Kofaktoren für aktive Enzyme

Beide Enzyme sind auf spezifische Mikronährstoffe angewiesen, um optimal zu funktionieren. Vitamin B6 (Pyridoxalphosphat) ist der wichtigste Kofaktor der DAO und muss in ausreichender Menge vorhanden sein. Kupfer wird ebenfalls für die DAO-Aktivität benötigt. Die HNMT braucht funktionierende Methylierungsprozesse, die von ausreichend Folsäure, Vitamin B12 und Methionin abhängen. Wer chronisch unter Histaminintoleranz leidet, sollte seinen Nährstoffstatus gezielt überprüfen lassen – ein Mangel an diesen Kofaktoren kann die Enzymaktivität erheblich einschränken, selbst wenn keine genetischen Varianten vorliegen.

Histamin-Abbau in der Leber: Was ihn stört

Alkohol und seine doppelte Wirkung

Alkohol ist einer der stärksten Hemmer des Histaminabbaus – und das gleich auf mehreren Ebenen. Erstens hemmt Alkohol direkt die DAO-Aktivität im Darm, was zu einem verstärkten Übergang von Histamin ins Blut führt. Zweitens belastet er die Leber und reduziert dort die HNMT-Aktivität. Drittens enthält Alkohol, insbesondere in Form von Rotwein, Bier oder Sekt, selbst erhebliche Mengen an biogenen Aminen wie Histamin und Tyramin. Viertens fördert Alkohol die Freisetzung von endogenem Histamin aus Mastzellen. Diese vierfache Belastung erklärt, warum viele Betroffene nach geringen Mengen Alkohol starke Reaktionen erleben. Schon kleine Mengen Wein oder Bier können den Histaminabbau für Stunden blockieren und erklären, warum manche Menschen am nächsten Tag noch unter Symptomen leiden – ein Phänomen, das Betroffene oft als unverhältnismäßig stark empfinden.

Medikamente als Enzymhemmer

Eine Vielzahl von Medikamenten kann den Histaminabbau beeinträchtigen, indem sie die DAO oder HNMT direkt hemmen oder die Leberenzymaktivität generell reduzieren. Dazu gehören bestimmte Antibiotika, Antidepressiva (insbesondere MAO-Hemmer), Antihypertensiva, Diuretika und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID) wie Ibuprofen oder Aspirin. Besonders kritisch ist die Wechselwirkung von MAO-Hemmern mit histaminreichen Lebensmitteln, da die Monoaminooxidasen einen ergänzenden Abbauweg für Histamin darstellen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt und unter histaminbedingten Beschwerden leidet, sollte in ärztlicher Begleitung prüfen, ob eines der eingesetzten Präparate den Histaminabbau hemmt. Manchmal ist die medikamentös bedingte DAO-Hemmung eine übersehene Ursache für neu aufgetretene oder verstärkte Histaminunverträglichkeit.

Chronische Lebererkrankungen und Fettleber

Eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), Hepatitis oder beginnende Fibrose beeinträchtigt die Entgiftungskapazität der Leber – und damit auch den Histaminabbau. Je mehr funktionstüchtige Leberzellen verloren gehen, desto schlechter kann der First-Pass-Effekt greifen. Betroffene mit bekannter Lebererkrankung sollten dies im Rahmen ihrer Histaminintoleranz-Behandlung unbedingt berücksichtigen und mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, welche zusätzlichen Maßnahmen zur Leberunterstützung sinnvoll sind.

Darm und Leber: Zusammenspiel beim Histaminabbau

Die Darm-Leber-Achse

Darm und Leber sind über die Pfortader eng miteinander verbunden und bilden eine funktionelle Einheit, die für den Histaminabbau entscheidend ist. Was im Darm nicht abgefangen wird, landet in der Leber – und was die Leber nicht verarbeiten kann, gelangt in den systemischen Kreislauf. Diese Darm-Leber-Achse bedeutet auch, dass ein erkrankter Darm die Leber mit höheren Histaminmengen belastet als ein gesunder. Schnedl & Enko (2021) beschrieben, dass Histaminintoleranz ihren Ursprung häufig im Darm hat: Eine veränderte Darmpermeabilität (Leaky Gut), eine dysbiierte Darmflora mit histaminproduzierenden Bakterien oder eine chronische Schleimhautentzündung können die DAO-Produktion massiv einschränken und damit die Histaminlast erhöhen, die die Leber zu bewältigen hat. Wer also an Histaminintoleranz leidet, sollte Darm- und Lebergesundheit immer gemeinsam im Blick behalten und nicht isoliert betrachten.

Das Mikrobiom und Histamin

Das Darmmikrobiom spielt eine zwiespältige Rolle im Histaminhaushalt. Einerseits können bestimmte Darmbakterien – darunter Lactobacillus reuteri, Morganella morganii und Klebsiella pneumoniae – durch ihre Histidindecarboxylase-Aktivität im Darm selbst Histamin produzieren und so die Körperlast erhöhen. Andererseits gibt es Bakterienstämme, die zur Histaminregulation beitragen oder die Darmbarriere stärken und damit indirekt den Histaminübertritt ins Blut vermindern. Eine gezielte Darmsanierung unter Berücksichtigung des Histaminpotenzials eingesetzter Probiotika ist daher ein sinnvoller Bestandteil eines umfassenden Therapieansatzes bei Histaminintoleranz.

Leaky Gut als verstärkender Faktor

Eine erhöhte Darmpermeabilität ermöglicht es Histamin und anderen biogenen Aminen, die Darmbarriere zu passieren, noch bevor die DAO sie abbauen konnte. Dieser Mechanismus verstärkt die Histaminlast der Leber erheblich und kann erklären, warum manche Menschen erst nach einer Darmsanierung eine deutliche Verbesserung ihrer histaminbedingten Beschwerden erleben. Die Integrität der Darmschleimhaut ist damit keine rein gastroenterologische Frage, sondern ein unmittelbarer Einflussfaktor auf den Histaminabbau in der Leber.

Takeaway: Darm und Leber schützen

Histamin, das die DAO-Barriere im Darm überwindet, muss von der Leber abgebaut werden. Eine gesunde Darmbarriere entlastet die Leber direkt – Darmgesundheit und Lebergesundheit sind beim Histaminabbau zwei Seiten derselben Medaille.

Ernährung und Leber-Unterstützung bei Histaminintoleranz

Histaminarme Ernährung als Entlastung für Darm und Leber

Eine histaminarme Ernährung verfolgt das Ziel, die Gesamthistaminlast zu reduzieren, die Darm und Leber täglich bewältigen müssen. Das bedeutet nicht, dauerhaft auf alle histaminreichen Lebensmittel zu verzichten, sondern die individuelle Toleranzschwelle zu kennen und gezielt einzuhalten. Frisch zubereitete Mahlzeiten mit histaminarmen Zutaten – wie frisches Gemüse, frisches Fleisch und histaminarme Getreide – reduzieren die Belastung erheblich. Besonders empfehlenswert sind Gerichte, die reich an Vitamin B6 und anderen DAO-Kofaktoren sind. Die «Creamy» Gemüse-Pasta histaminarm ist ein gutes Beispiel für eine nährstoffreiche Mahlzeit, die Darm und Leber schont. Ergänzend dazu bietet die Gefüllte Paprika (histaminarm) eine wertvolle Mahlzeit mit frischen Zutaten, die den Enzymen beim Abbau zugutekommen. Histaminarme Rezepte findest du auch auf unserer Rezeptseite unter /rezepte/.

Nährstoffe für die Leberentgiftung

Die Leber benötigt für ihre Entgiftungsleistung – und damit für den Histaminabbau – ausreichend Mikronährstoffe. Besonders relevant sind: Vitamin B6 als DAO-Kofaktor, Magnesium als allgemeiner Kofaktor enzymatischer Reaktionen, Vitamin C als Antioxidans, das oxidativen Stress in der Leber mindert, sowie Folsäure und Vitamin B12 für den Methylierungsstoffwechsel der HNMT. Bittere Gemüsesorten wie Artischocken, Chicorée und Rucola können die Gallenproduktion und damit die Entgiftungsleistung der Leber unterstützen – vorausgesetzt, sie werden von der betroffenen Person gut vertragen. Gleichzeitig sollte der Konsum von Alkohol, verarbeiteten Lebensmitteln und histaminreichen Produkten so weit wie möglich reduziert werden, um die Leber nicht unnötig zu belasten.

Nahrungsergänzungsmittel gezielt einsetzen

DAO-Enzympräparate, die oral eingenommen werden, können die körpereigene DAO-Aktivität ergänzen und damit die histaminabbauende Kapazität im Darm erhöhen. Sie sind jedoch kein Allheilmittel und ersetzen keine grundlegende Ernährungsanpassung. Für die HNMT-Unterstützung empfehlen sich SAM-e-Präparate oder eine Optimierung der Methylierungsvorläufer (B12, Folsäure, Betain). Diese Maßnahmen sollten immer in Absprache mit einer Fachperson erfolgen, da eine unkritische Supplementierung andere Stoffwechselwege beeinflussen kann. Als leichter Einstieg in den Alltag eignet sich etwa das Happy Darm Müesli histaminarm, das mit sorgfältig ausgewählten Zutaten die Darmgesundheit unterstützt – eine wichtige Grundvoraussetzung für eine gute DAO-Produktion.

Takeaway: Enzyme brauchen Nährstoffe

DAO und HNMT sind nur so aktiv wie ihre Kofaktoren es erlauben. Vitamin B6, Kupfer, Folsäure und Vitamin B12 sind essenziell für einen funktionierenden Histaminabbau – eine nährstoffreiche, histaminarme Ernährung unterstützt beide Abbauenzyme gleichzeitig.

Diagnose und nächste Schritte

Wie wird eine Histaminintoleranz festgestellt?

Die Diagnose der Histaminintoleranz ist bis heute keine einfache Angelegenheit, da es keinen einzelnen eindeutigen Biomarker gibt. Mušič et al. (2013) zeigten, dass die Messung der Serum-DAO-Aktivität ein nützlicher diagnostischer Test ist: Werte unter 3 U/ml gelten als Hinweis auf eine eingeschränkte DAO-Funktion. Ergänzend können Histamin-Provokationstests unter ärztlicher Aufsicht sowie standardisierte Ernährungsprotokolle eingesetzt werden. Die SIGHI-Leitlinie empfiehlt eine mehrwöchige Eliminationsdiät mit anschließender systematischer Wiedereinführung als Goldstandard der Diagnosesicherung. Dabei sollte auch die Lebergesundheit überprüft werden – Leberwerte, ein Ultraschall und gegebenenfalls eine Überprüfung des Methylierungsstoffwechsels können wichtige Hinweise liefern. Die Histaminintoleranz-Grundlagen auf dieser Website bieten einen guten Einstieg für alle, die sich tiefer in das Thema einarbeiten möchten.

Was kannst du konkret tun?

Als erste Maßnahme empfiehlt sich, ein detailliertes Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen, um persönliche Trigger zu identifizieren. Gleichzeitig sollten bekannte Enzymhemmer – vor allem Alkohol und histaminliberatorische Lebensmittel wie Erdbeeren, Tomaten oder Zitrusfrüchte – testweise reduziert werden. Ein Blutbild inklusive DAO-Spiegel, Leberwerte und Nährstoffstatus (B6, B12, Folsäure, Kupfer) gibt wichtige diagnostische Hinweise. Wer eine begleitende Lebererkrankung hat, sollte diese parallel behandeln lassen, da sie den Histaminabbau direkt beeinträchtigt. Eine gut informierte Ernährungsberatung durch eine Fachperson mit Kenntnissen in Histaminintoleranz kann helfen, individuelle Toleranzgrenzen auszuloten und die Nährstoffversorgung zu optimieren.

Langfristige Strategie: System, nicht Verzicht

Das Ziel bei Histaminintoleranz sollte nicht ewiger Verzicht sein, sondern die Wiederherstellung einer ausreichenden Abbaukapazität – durch Darmheilung, Leberunterstützung, Nährstoffoptimierung und, wo nötig, durch enzymatische Unterstützung. Viele Betroffene berichten, dass sich ihre Toleranzschwelle nach gezielter Behandlung der Grundursachen merklich erhöht und sie nach einiger Zeit wieder mehr Lebensmittelvielfalt genießen können. Dieser Weg erfordert Geduld und eine systematische Herangehensweise, ist aber für viele Menschen der Weg zu mehr Lebensqualität und weniger Einschränkungen im Alltag.

FAQ

Die Leber ist ein zentrales Organ des Histaminabbaus. Über die HNMT inaktiviert sie Histamin, das die Darmbarriere überwunden hat, bevor es in den Kreislauf gelangt. Eine belastete oder erkrankte Leber kann diese Funktion nur eingeschränkt erfüllen, was zu erhöhten Histaminspiegeln und entsprechenden Symptomen führt.

In der Leber ist hauptsächlich die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) für den Histaminabbau verantwortlich. Sie methyliert Histamin zu N-Methylhistamin, das anschließend über den Urin ausgeschieden wird. Ergänzend wirken Monoaminooxidasen (MAO) als weiterer Abbauweg.

Ja. Alkohol hemmt sowohl die DAO im Darm als auch die HNMT in der Leber, belastet die Leber direkt und enthält selbst biogene Amine. Diese vierfache Wirkung erklärt, warum bereits kleine Mengen Alkohol bei Histaminintoleranz starke Reaktionen auslösen können.

Besonders wichtig sind Vitamin B6 als Kofaktor der DAO, Kupfer für die DAO-Funktion sowie Folsäure, Vitamin B12 und Methionin für die HNMT-abhängige Methylierung. Ein Nährstoffmangel kann den Histaminabbau erheblich einschränken, selbst wenn keine genetischen Defekte vorliegen.

Bei vielen Betroffenen verbessert sich die Toleranzschwelle, wenn die Grundursachen behandelt werden – etwa durch Darmsanierung, Leberunterstützung und Nährstoffoptimierung. Eine vollständige Heilung ist nicht immer möglich, aber eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität ist für viele Menschen erreichbar.

Ja, definitiv. Die Leber ist ein zentrales Organ für den Histaminabbau – vor allem über das Enzym HNMT. Wenn die Leber durch Faktoren wie Alkohol, Medikamente oder chronische Belastung geschwächt ist, arbeiten diese Enzyme weniger effizient. Das bedeutet: Histamin bleibt länger im Körper und deine Symptome können sich deutlich verstärken, selbst wenn du dich eigentlich histaminarm ernährst.

Ja. Verschiedene Medikamente können die Enzymaktivität hemmen – darunter bestimmte Schmerzmittel, Antibiotika, Antidepressiva und Blutdruckmittel. Sie blockieren DAO oder HNMT direkt oder belasten die Leber so stark, dass der Histaminabbau insgesamt schlechter funktioniert. Sprich mit deinem Arzt, wenn du regelmäßig Medikamente nimmst und gleichzeitig unter Histaminintoleranz leidest.

Ja, bestimmte Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle. Vitamin B6, Kupfer und Vitamin C sind essenziell für eine funktionierende DAO-Aktivität. Zusätzlich unterstützen Magnesium und B-Vitamine die Lebergesundheit allgemein. Ein Mangel an diesen Nährstoffen kann den Histaminabbau merklich verschlechtern – weshalb bei Histaminintoleranz oft eine gezielte Nährstoffdiagnostik sinnvoll ist.

Quellen

Maintz, Laura & Novak, Natalija (2007). “Histamine and histamine intolerance.” American Journal of Clinical Nutrition, 85(5), 1185–1196.

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BH
Balance Histamin
Fachredaktion für Histaminintoleranz, Ernährung und Darmgesundheit. Medizinisch geprüfte Inhalte auf Basis aktueller Studien und Leitlinien.

Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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