DAO – Polizeistreife im Histaminabbau: Was das Enzym wirklich leistet
DAO ist das wichtigste Enzym beim Histaminabbau im Darm. Erfahre, wie es funktioniert, warum es bei Histaminintoleranz oft zu schwach ist und wie du es gezielt unterstützen kannst.
Stell dir vor, in deinem Darm patrouilliert eine Polizeistreife rund um die Uhr. Ihre einzige Aufgabe: eintreffendes Histamin aufspüren und unschädlich machen. Dieses Enzym heißt Diaminoxidase, kurz DAO. Solange die Streife funktioniert, merkst du nichts vom Histamin in deinem Essen. Doch bei vielen Menschen ist die DAO-Aktivität stark eingeschränkt. Die Folge ist eine Histaminintoleranz mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Hautjucken, Herzrasen oder Verdauungsproblemen. Maintz & Novak (2007) beschrieben DAO als das wichtigste Enzym beim Abbau von Histamin aus der Nahrung. Millionen Menschen weltweit betrifft dieses Problem – und die meisten wissen nicht, warum ihr Körper so reagiert. Dieser Artikel erklärt dir, wie DAO als biochemische Polizeistreife im Histaminabbau arbeitet, warum sie manchmal streikt und wie du sie gezielt unterstützen kannst.
Was ist DAO und wo wirkt es?
Das Enzym im Überblick
DAO steht für Diaminoxidase. Es handelt sich um ein kupferabhängiges Enzym, das im menschlichen Körper an mehreren Orten vorkommt. Besonders konzentriert ist es in der Darmschleimhaut, genauer in den Zellen des Dünndarms. Dort sitzt es an der Grenze zwischen Nahrungsbrei und Darmwand. Wenn Histamin aus dem Essen diese Grenze passieren will, greift DAO ein. Es oxidiert das Histamin zu Imidazolazetaldehyd – einem harmlosen Stoffwechselprodukt. Das Histamin wird dadurch unschädlich gemacht, bevor es ins Blut gelangt. DAO wirkt also direkt an der entscheidenden Schnittstelle zwischen außen und innen. Ohne ausreichende DAO-Aktivität passiert Histamin diese Grenze nahezu ungehindert.
DAO im Vergleich zu anderen Abbauwegen
Es gibt im Körper noch einen weiteren wichtigen Abbaupfad für Histamin: das Enzym HNMT (Histamin-N-Methyltransferase). HNMT arbeitet jedoch hauptsächlich innerhalb der Zellen und baut dort endogenes Histamin ab. DAO hingegen ist für das Histamin aus der Nahrung zuständig – das sogenannte exogene Histamin. Beide Enzyme ergänzen sich. Ist DAO jedoch geschwächt, kann HNMT diesen Ausfall nicht vollständig kompensieren. Die Folge ist eine erhöhte Histaminbelastung im Blut. Comas-Baste et al. (2020) erläutern in ihrer Übersichtsarbeit, dass eine gestörte Balance beider Enzyme die Symptomlast deutlich verstärkt. DAO trägt damit die Hauptverantwortung beim Schutz vor nahrungsbedingtem Histamin.
Wo sonst DAO im Körper vorkommt
DAO findet sich nicht nur im Darm. Auch in der Plazenta schwangerer Frauen ist es in hohen Konzentrationen aktiv. Das erklärt, warum viele Frauen in der Schwangerschaft plötzlich Histamin besser vertragen. Nach der Geburt fällt dieser Schutz weg. Außerdem produzieren Nieren und Thymusdrüse geringe Mengen DAO. Diese Mengen reichen jedoch nicht aus, um einen Mangel im Darm auszugleichen. Der Darm bleibt die entscheidende Frontlinie im Kampf gegen Nahrungshistamin. Wer dort eine schwache DAO-Aktivität hat, merkt das schnell nach histaminreichen Mahlzeiten.
Wie DAO Histamin abbaut – die Biochemie einfach erklärt
Die chemische Reaktion Schritt für Schritt
DAO katalysiert eine oxidative Desaminierung. Das klingt kompliziert, ist aber logisch nachvollziehbar. Histamin besitzt eine Aminogruppe, die es biologisch aktiv macht. DAO trennt genau diese Gruppe ab. Dazu benötigt das Enzym Sauerstoff und den Kofaktor Kupfer. Als Nebenprodukt entsteht Wasserstoffperoxid, das vom Körper weiter verarbeitet wird. Das abgebaute Histamin kann danach nicht mehr an Histaminrezeptoren andocken. Die gesamte Reaktion läuft innerhalb von Millisekunden ab. Je mehr aktives DAO vorhanden ist, desto schneller wird eintreffendes Histamin neutralisiert. Bei ausreichender Enzymaktivität erreicht kaum Histamin den Blutkreislauf.
Kupfer als entscheidender Kofaktor
DAO ist ein kupferabhängiges Enzym. Ohne ausreichend Kupfer arbeitet es ineffizient. Kupfermangel ist in der Bevölkerung seltener als Zinkmangel, aber durchaus möglich. Besonders Menschen mit Darmproblemen nehmen Kupfer schlechter auf. Auch Vitamin B6 spielt eine unterstützende Rolle im Histaminabbau. Es ist kein direkter Kofaktor der DAO, fördert aber verwandte Stoffwechselwege. Ein ganzheitlicher Blick auf die Mikronährstoffversorgung ist daher sinnvoll. Wer seinen DAO-Abbauweg optimieren möchte, sollte nicht nur das Enzym selbst im Blick haben. Die biochemische Infrastruktur drumherum ist genauso wichtig.
Der Abbauort: Dünndarmschleimhaut
Die meiste DAO-Aktivität findet im oberen Dünndarm statt. Dort werden Nahrungsproteine aufgespalten und Histamin freigesetzt. Genau dort soll DAO sofort angreifen. Die Enzymkonzentration ist in den Mikrovilli der Dünndarmzellen am höchsten. Diese winzigen Zotten vergrößern die Oberfläche des Darms enorm. Je gesünder diese Schleimhaut ist, desto mehr DAO kann produziert werden. Eine beschädigte Darmschleimhaut reduziert die DAO-Produktion drastisch. Das ist ein entscheidender Zusammenhang, den Betroffene kennen sollten.
Warum die DAO-Polizeistreife versagen kann
Genetische Ursachen
Manche Menschen haben von Geburt an eine geringere DAO-Aktivität. Genetische Varianten im AOC1-Gen, das für die DAO-Produktion zuständig ist, können die Enzymfunktion beeinträchtigen. Diese Varianten sind nicht selten. Studien schätzen, dass bis zu einem Drittel der Bevölkerung genetisch bedingt eine reduzierte DAO-Aktivität hat. Das bedeutet nicht automatisch eine ausgeprägte Histaminintoleranz. Aber es erhöht die Anfälligkeit deutlich. Wer genetisch weniger DAO produziert, reagiert empfindlicher auf histaminreiche Ernährung. Eine genetische Testung kann hier Klarheit bringen, ist aber nicht zwingend notwendig für die Diagnose.
Medikamente als DAO-Hemmer
Bestimmte Medikamente blockieren die DAO-Aktivität direkt. Dazu gehören unter anderem einige Antibiotika, bestimmte Antidepressiva und klassische Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure. Auch Alkohol hemmt DAO erheblich. Das erklärt, warum Menschen nach Alkoholkonsum häufig mit Histaminsymptomen reagieren. Wer regelmäßig DAO-hemmende Medikamente einnimmt, trägt ein erhöhtes Risiko für eine symptomatische Histaminbelastung. Maintz & Novak (2007) listeten in ihrer Übersichtsarbeit zahlreiche solcher Substanzen systematisch auf. Es lohnt sich, Medikamentenpläne auf diesen Punkt hin zu überprüfen – am besten gemeinsam mit einem Arzt oder einer Ärztin.
Entzündungen und Darmerkrankungen
Chronische Darmentzündungen zerstören die Zellen, die DAO produzieren. Bei Morbus Crohn, Zöliakie oder einem Reizdarmsyndrom ist die Darmschleimhaut oft dauerhaft gereizt. Das schränkt die DAO-Produktion stark ein. Auch eine erhöhte Darmpermeabilität – umgangssprachlich „Leaky Gut” – begünstigt den Übergang von Histamin ins Blut. Schnedl & Enko (2021) zeigten, dass Histaminintoleranz häufig ihren Ursprung im geschädigten Darm hat. Die Behandlung der zugrundeliegenden Darmerkrankung ist deshalb oft der erste Schritt zur Verbesserung der Histaminverträglichkeit. DAO-Mangel ist in vielen Fällen ein Symptom, keine isolierte Ursache.
DAO und der Darm – eine untrennbare Verbindung
Darmgesundheit als Fundament
Die Qualität der Darmschleimhaut bestimmt direkt, wie viel DAO produziert wird. Enterozyt – das sind die Darmschleimhautzellen – stellen DAO her. Je mehr intakte Enterozyten vorhanden sind, desto höher ist die DAO-Aktivität. Chronischer Stress, schlechte Ernährung, Antibiotikagaben und Infektionen können diese Zellen schädigen. Wer seine Histamintoleranz langfristig verbessern will, muss daher die Darmgesundheit in den Mittelpunkt stellen. Das ist keine einfache Aufgabe, aber eine lohnende. Die Darmschleimhaut regeneriert sich – wenn sie die richtigen Bedingungen bekommt. Geduld und Konsequenz sind dabei entscheidend.
Das Mikrobiom und DAO
Das Darmmikrobiom beeinflusst die DAO-Produktion indirekt. Bestimmte Darmbakterien produzieren selbst Histamin – zum Beispiel Lactobacillus reuteri oder Lactobacillus buchneri. Ein Ungleichgewicht im Mikrobiom kann die Histaminlast im Darm erhöhen. Gleichzeitig gibt es Bakterienstämme, die Histamin abbauen, wie Bifidobacterium infantis. Ein ausgewogenes Mikrobiom entlastet also die DAO. Probiotika können hier gezielt eingesetzt werden – jedoch nicht alle Stämme sind für Histaminbetroffene geeignet. Der falsche Stamm kann Symptome sogar verschlimmern. Eine fachkundige Beratung ist deshalb bei der Auswahl von Probiotika empfehlenswert.
Darmaufbau als therapeutische Strategie
Wer seine DAO-Aktivität verbessern möchte, sollte aktiv in die Darmgesundheit investieren. Das beginnt mit einer entzündungsarmen Ernährung. Ballaststoffe aus gut verträglichem Gemüse unterstützen die Schleimhautregeneration. Glutamin ist eine Aminosäure, die als Brennstoff für Darmzellen dient. Zink fördert die Schleimhautreparatur. Diese Maßnahmen sind kein Ersatz für eine medizinische Behandlung, aber eine sinnvolle Ergänzung. Wer die Ursachen der DAO-Schwäche angeht, statt nur Symptome zu lindern, hat langfristig die besseren Karten. Histaminarme Rezepte findest du auf /rezepte/ – als praktische Unterstützung im Alltag.
Das Wichtigste auf einen Blick: DAO ist das Schlüsselenzym im Abbau von Nahrungshistamin. Es sitzt in der Darmschleimhaut und neutralisiert Histamin, bevor es ins Blut gelangt. DAO-Mangel entsteht durch genetische Faktoren, Medikamente, Darmentzündungen und ein unausgewogenes Mikrobiom. Die Stärkung der Darmgesundheit ist der wirksamste Weg, die DAO-Aktivität langfristig zu verbessern.
DAO-Werte messen und verstehen
Der DAO-Bluttest
Der DAO-Wert kann im Blut gemessen werden. Dabei wird die Enzymaktivität im Serum bestimmt – angegeben in Histamineinheiten pro Milliliter. Mušič et al. (2013) untersuchten den Serum-DAO-Test als Diagnoseinstrument für Histaminintoleranz und kamen zu dem Schluss, dass er ein nützlicher, aber nicht alleinstehender Marker ist. Ein niedriger DAO-Wert ist ein Hinweis, kein Beweis. Viele Labore setzen den Grenzwert bei unter 10 HDU/ml als auffällig. Doch auch bei normalen Werten können Symptome auftreten, wenn zum Beispiel HNMT ebenfalls geschwächt ist. Der Test ist ein guter Ausgangspunkt für das diagnostische Gespräch mit dem Arzt.
Grenzen der Diagnostik
Der DAO-Test hat Schwächen. Er misst die Enzymaktivität zu einem bestimmten Zeitpunkt – und dieser kann stark schwanken. Stress, Hormonschwankungen, aktuelle Erkrankungen und Medikamente beeinflussen den Wert. Ein einmalig niedriger Wert bedeutet nicht dauerhaft schlechte DAO-Funktion. Umgekehrt schließt ein normaler Wert eine Histaminintoleranz nicht aus. Die Diagnose Histaminintoleranz ist klinisch und sollte immer mehrere Faktoren berücksichtigen: Symptome, Ernährungsprotokoll, Ausschluss anderer Erkrankungen und ggf. Laborwerte. Eine Reduktionsdiät mit anschließender Wiedereinführung ist nach wie vor der Goldstandard der Diagnose.
Wann ein Test sinnvoll ist
Ein DAO-Test ist besonders sinnvoll, wenn der Verdacht auf Histaminintoleranz besteht, aber andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Er hilft dabei, die Therapieplanung zu konkretisieren. Wer einen sehr niedrigen Wert hat, profitiert möglicherweise stärker von einer DAO-Supplementierung als jemand mit normalem Wert. Der Test gibt auch Orientierung bei der Frage, ob eine Darmerkrankung als Ursache in Frage kommt. Die SIGHI-Leitlinie empfiehlt, die Diagnostik immer im Gesamtbild zu betrachten und nicht auf einzelne Laborbefunde zu reduzieren. Das ist eine wichtige Einschränkung, die Betroffene kennen sollten.
DAO natürlich unterstützen
Mikronährstoffe gezielt einsetzen
Bestimmte Mikronährstoffe sind für die DAO-Funktion essenziell. Kupfer ist der wichtigste Kofaktor. Vitamin C unterstützt die DAO-Synthese indirekt über antioxidative Mechanismen. Vitamin B6 ist an mehreren Schritten des Aminosäuremetabolismus beteiligt und fördert den Histaminabbau auf indirektem Weg. Zink stärkt die Darmschleimhaut und fördert damit die Voraussetzungen für eine gute DAO-Produktion. Diese Nährstoffe können über eine ausgewogene, histaminarme Ernährung zugeführt werden. Supplementierung ist möglich, sollte aber bedarfsorientiert und idealerweise nach Blutbild erfolgen. Eine pauschale Einnahme ohne Kenntnis des eigenen Status ist nicht empfehlenswert.
Ernährung als DAO-Unterstützer
Eine histaminarme Ernährung reduziert die Belastung für DAO direkt. Wenn weniger Histamin eintreffendes Material vorhanden ist, reicht auch eine geschwächte DAO-Aktivität aus. Gleichzeitig vermeiden Betroffene sogenannte Histaminliberatoren – Lebensmittel, die körpereigenes Histamin freisetzen, ohne selbst viel davon zu enthalten. Dazu gehören Erdbeeren, Tomaten, Schokolade und bestimmte Gewürze. Frische, gering verarbeitete Lebensmittel sind grundsätzlich histaminärmer. Gereifte, fermentierte oder lang gelagerte Produkte dagegen sind reich an biogenen Aminen. Wer die Ernährung bewusst umstellt, entlastet seine DAO-Polizeistreife erheblich.
Stress reduzieren für bessere Enzymfunktion
Chronischer Stress beeinflusst die Darmgesundheit und damit die DAO-Produktion negativ. Die Darm-Hirn-Achse ist gut erforscht: Psychischer Stress erhöht die Darmpermeabilität und stört die Schleimhautintegrität. Das schwächt langfristig die DAO-Aktivität. Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga oder Achtsamkeitsmeditation haben nachweislich positive Effekte auf die Darmgesundheit. Das klingt nach einem weichen Faktor – ist es aber nicht. Wer Histaminintoleranz ganzheitlich angehen will, kommt am Thema Stressregulation nicht vorbei. Die Verbindung zwischen Psyche, Darm und Enzymaktivität ist wissenschaftlich belegt und klinisch relevant.
DAO-Ergänzungsmittel – Sinn oder Unsinn?
Was DAO-Präparate leisten können
DAO-Präparate sind oral einzunehmende Enzymsupplements. Sie enthalten extrahierte DAO aus Schweinenierengewebe. Die Idee: Wenn der Körper zu wenig DAO produziert, gibt man es von außen dazu. Die Einnahme erfolgt kurz vor einer histaminreichen Mahlzeit. Die zugeführte DAO wirkt dann im Darm lokal – sie wird nicht ins Blut aufgenommen. Es handelt sich also um eine symptomatische Hilfe, keine Kausaltherapie. Studien zeigen, dass DAO-Präparate bei einem Teil der Betroffenen die Symptome nach histaminreichen Mahlzeiten lindern können. Sie sind kein Allheilmittel, aber eine praktische Ergänzung für besondere Situationen.
Grenzen und Risiken
DAO-Präparate ersetzen keine Ernährungsumstellung. Wer sich darauf verlässt und weiter hochhistaminhaltige Kost zu sich nimmt, überfordert auch die zugeführten Enzyme. Außerdem ist die Qualität der Präparate auf dem Markt sehr unterschiedlich. Nicht alle Produkte enthalten die deklarierte Enzymmenge in wirksamer Form. Die Lagerung beeinflusst die Aktivität. Hitze und falsche Lagerung können DAO inaktivieren. Betroffene sollten auf zertifizierte Produkte achten und keine übertriebenen Erwartungen haben. Die SIGHI-Leitlinie empfiehlt DAO-Supplements als begleitende Maßnahme, nicht als primäre Therapie. Der Aufbau einer gesunden Darmschleimhaut bleibt das langfristig wirksamere Ziel.
Für wen Supplements sinnvoll sein können
DAO-Präparate können sinnvoll sein für Menschen mit nachgewiesenem DAO-Mangel. Ebenso für Situationen, in denen eine strikte Ernährungsumstellung nicht möglich ist – etwa auf Reisen oder bei sozialen Anlässen. Auch während einer Darmaufbauphase können sie überbrückend helfen. Bei schwangeren Frauen nach der Entbindung, wenn der plazentare DAO-Schutz wegfällt, können sie kurzfristig hilfreich sein. Die Entscheidung für Supplements sollte immer im Gespräch mit einer Fachperson fallen. Eine Selbstbehandlung ohne Diagnose ist nicht ratsam. Wer mehr Unterstützung bei der Ernährungsplanung sucht, findet histaminarme Rezepte auf /rezepte/.
Praktische Empfehlungen für den Alltag: Unterstütze deine DAO durch eine histaminarme, nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Kupfer und Zink, Darmaufbau und Stressreduktion. DAO-Supplements können in bestimmten Situationen sinnvoll sein – ersetzen aber keine Kausaltherapie. Lass deinen DAO-Wert bei Verdacht auf Histaminintoleranz ärztlich abklären und betrachte ihn immer im Gesamtkontext deiner Beschwerden.
FAQ
Was ist DAO und welche Aufgabe hat es? DAO steht für Diaminoxidase und ist ein Enzym in der Darmschleimhaut. Seine Hauptaufgabe ist der Abbau von Histamin aus der Nahrung, bevor es in den Blutkreislauf gelangt.
Warum wird DAO als Polizeistreife im Histaminabbau bezeichnet? Das Bild beschreibt die Funktion gut: DAO patrouilliert an der Grenze zwischen Darminhalt und Körper und neutralisiert eintreffendes Histamin – ähnlich einer Streife, die Eindringlinge aufhält.
Wie kann ich meine DAO-Aktivität verbessern? Durch Stärkung der Darmschleimhaut, ausreichend Mikronährstoffe wie Kupfer und Zink, eine histaminarme Ernährung sowie Stressreduktion. In manchen Fällen können auch DAO-Supplements unterstützend helfen.
Welche Medikamente hemmen DAO? Bestimmte Antibiotika, Antidepressiva, Acetylsalicylsäure und Alkohol können die DAO-Aktivität hemmen. Eine Überprüfung des Medikamentenplans mit einem Arzt ist bei Histaminintoleranz empfehlenswert.
Ist ein DAO-Bluttest aussagekräftig? Er liefert nützliche Hinweise, ist aber kein alleiniges Diagnoseinstrument. Werte können schwanken, und eine Histaminintoleranz lässt sich nur im Gesamtkontext aus Symptomen, Ernährungsprotokoll und klinischer Beurteilung verlässlich feststellen.
Häufige Fragen zu Was das Enzym wirklich leistet
Ja, DAO-Werte lassen sich im Blut bestimmen. Allerdings misst der Test die Enzymaktivität im Serum, nicht direkt in der Darmschleimhaut. Das Ergebnis gibt Hinweise, ist aber kein eindeutiger Beweis für eine Histaminintoleranz. Idealerweise kombinierst du den Test mit einem Symptomtagebuch und einer gezielten Eliminationsdiät, um ein vollständiges Bild zu bekommen.
Stress ist ein großer DAO-Hemmer. Im Urlaub sinkt der Stresslevel, was die Enzymaktivität verbessern kann. Außerdem schläfst du wahrscheinlich besser und bewegst dich mehr – beides unterstützt einen gesunden Darm. Alkohol und bestimmte Medikamente, die du zu Hause nimmst, könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Ja, einige gängige Medikamente hemmen DAO nachweislich. Dazu zählen bestimmte Antibiotika, Antidepressiva, Schmerzmittel wie Aspirin sowie manche Blutdruckmittel und Magensäureblocker. Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst und unter Histaminsymptomen leidest, lohnt sich ein Gespräch mit deinem Arzt über mögliche Wechselwirkungen.
Nein, das sind zwei verschiedene Dinge. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf einen Stoff und produziert Antikörper. Bei der Histaminintoleranz fehlt schlicht das Enzym DAO, um Histamin aus der Nahrung abzubauen. Es gibt keine Immunreaktion – der Körper ist einfach überlastet. Deshalb zeigt ein Allergietest bei Histaminintoleranz meist ein negatives Ergebnis.
Ja, auch Kinder können betroffen sein. Typische Hinweise sind wiederkehrende Bauchweh, Kopfschmerzen, Hautausschläge oder Kreislaufprobleme nach bestimmten Mahlzeiten. Da Symptome bei Kindern oft anderen Ursachen zugeschrieben werden, bleibt die Histaminintoleranz häufig lange unentdeckt. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, Muster zu erkennen.
Direkt erhöhen lässt sich DAO durch Essen nicht. Aber bestimmte Nährstoffe sind entscheidend für die DAO-Produktion: Vitamin B6, Kupfer und Vitamin C. Wer dauerhaft zu wenig davon bekommt, schwächt sein DAO. Eine nährstoffdichte Ernährung schafft also die Grundlage dafür, dass dein Körper ausreichend DAO bilden kann.
Die Plazenta produziert große Mengen DAO – deutlich mehr als der Darm allein. Das schützt das ungeborene Kind vor Histamin und hat einen positiven Nebeneffekt: Viele Frauen mit Histaminintoleranz berichten, dass ihre Symptome in der Schwangerschaft deutlich nachlassen. Nach der Geburt fällt dieser natürliche DAO-Boost weg und die Beschwerden kehren zurück.
Nein, das ist in der Regel nicht sinnvoll. DAO-Ergänzungsmittel sind als Unterstützung bei konkreten histaminreichen Mahlzeiten gedacht – nicht als Dauerlösung. Wer keine Symptome hat, braucht keine Ergänzung. Treten nach dem Essen wiederholt Beschwerden auf, lohnt sich ein Gespräch mit einem Arzt, bevor du einfach anfängst, Kapseln zu nehmen.
Quellen
Maintz, L. & Novak, N. (2007). “Histamine and histamine intolerance.” American Journal of Clinical Nutrition, 85(5), 1185–1196. Comas-Baste, O. et al. (2020). “Histamine Intolerance: The Current State of the Art.” Biomolecules, 10(8), 1181. Mušič, E. et al. (2013). “Serum diamine oxidase activity as a diagnostic test for histamine intolerance.” Wiener Klinische Wochenschrift, 125(9–10), 239–243.
- Schnedl, W. J. & Enko, D. (2021). “Histamine Intolerance Originates in the Gut.” Nutrients, 13(4), 1262.
- Schwelberger, H. G. (2010). “Histamine intolerance: overestimated or underestimated?” Inflammation Research, 59(Suppl 2), S219–S221.
- Swiss Interest Group Histamine Intolerance (SIGHI). (2020). SIGHI-Leitlinie Histaminunverträglichkeit. Aktuelle Version abrufbar unter: histaminintoleranz.ch.
Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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