DAO – das Enzym bei Histaminintoleranz einfach erklärt

Alles über das DAO-Enzym: Wie es Histamin abbaut, warum es bei Histaminintoleranz gestört sein kann und welche Supplements helfen. Wissenschaftlich fundiert.

Kopfschmerzen nach dem Rotwein, Bauchkrämpfe nach dem Käse, Hautjucken ohne erkennbaren Grund – wer unter Histaminintoleranz leidet, kennt diese Momente. Hinter vielen dieser Beschwerden steckt ein einziges Enzym: die Diaminoxidase, kurz DAO. Dieses Enzym ist der wichtigste Mechanismus des Körpers, um Histamin aus der Nahrung abzubauen. Wenn die DAO nicht richtig funktioniert oder in zu geringer Menge vorhanden ist, sammelt sich Histamin im Körper an. Die Folgen sind vielfältig und oft verwirrend. Betroffene suchen jahrelang nach Erklärungen. Dabei ist das Wissen über DAO entscheidend: Es erklärt, warum manche Menschen bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, obwohl sie eigentlich gesund sind. Dieser Artikel erklärt, was DAO ist, wie das Enzym arbeitet, warum es fehlen kann und welche Möglichkeiten es gibt, den Histaminabbau zu unterstützen.

Was ist DAO?

Definition und biochemische Einordnung

DAO steht für Diaminoxidase. Es handelt sich um ein Enzym, das im menschlichen Körper vorkommt und dort eine sehr spezifische Aufgabe erfüllt. Enzyme sind biologische Katalysatoren. Sie beschleunigen chemische Reaktionen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Die DAO gehört zur Gruppe der Aminoxidasen. Sie oxidiert biogene Amine – also Verbindungen wie Histamin, Putrescin und Cadaverin. Diese Amine entstehen in Lebensmitteln durch bakterielle Fermentation und Reifeprozesse. Der menschliche Körper produziert DAO selbst, vor allem in bestimmten Organen. Die Hauptproduktionsorte sind die Dünndarmschleimhaut, die Nieren und die Plazenta. Maintz & Novak (2007) beschrieben in ihrer grundlegenden Arbeit ausführlich, wie DAO als primäres Abbauenzym für intestinales Histamin wirkt und warum seine Aktivität so entscheidend für die Verträglichkeit histaminreicher Lebensmittel ist.

Wo im Körper wirkt DAO?

Die DAO-Aktivität ist nicht gleichmäßig im Körper verteilt. Die höchste Konzentration findet sich in den Enterozyten – den Zellen der Dünndarmschleimhaut. Dort sitzt das Enzym strategisch günstig: genau dort, wo Nahrung verdaut wird und Histamin aus der Nahrung ins Blut übertreten könnte. Die DAO wirkt also wie eine Art Schutzschild am Übergang vom Darm ins Blut. Zusätzlich ist DAO im Blutplasma nachweisbar. Die Serumaktivität der DAO wird in der Diagnostik genutzt, um Rückschlüsse auf die Funktion der Darmschleimhaut zu ziehen. Eine niedrige DAO-Aktivität im Blut kann auf eine gestörte Darmbarriere hinweisen. Diese Erkenntnis ist für die Diagnostik wichtig, weil sie einen objektiven Messwert liefert.

DAO im Vergleich zu anderen Histamin-abbauenden Enzymen

Im menschlichen Körper gibt es zwei Hauptwege, um Histamin abzubauen. Der erste Weg läuft über die DAO. Der zweite Weg nutzt die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT). Während die DAO vor allem extrazellulär wirkt – also außerhalb der Zellen, im Darm und im Blut –, ist die HNMT hauptsächlich intrazellulär aktiv. Die HNMT baut Histamin innerhalb von Zellen ab, besonders im zentralen Nervensystem und in der Leber. Für die Histaminintoleranz durch Nahrungsmittel spielt die DAO die wichtigere Rolle. Sie ist der erste Schutzwall. Wenn die DAO-Aktivität zu niedrig ist, gelangt mehr Histamin in den Blutkreislauf – mit entsprechenden Beschwerden. Beide Enzyme ergänzen sich, können sich aber nicht vollständig ersetzen.

Wie DAO Histamin im Körper abbaut

Der biochemische Abbaumechanismus

Die DAO baut Histamin durch oxidative Desaminierung ab. Bei dieser Reaktion wird Histamin in Imidazolessigsäure umgewandelt. Dafür benötigt das Enzym Sauerstoff und Kupfer als Kofaktor. Auch Vitamin B6 und Vitamin C spielen eine unterstützende Rolle. Der Abbau findet vor allem im Dünndarm statt. Dort trifft DAO auf Histamin, das aus der Nahrung freigesetzt wurde. Das Enzym katalysiert die Reaktion schnell und effizient – vorausgesetzt, es ist in ausreichender Menge vorhanden. Comas-Baste et al. (2020) fassen in ihrer Übersichtsarbeit zusammen, dass die DAO-Aktivität der entscheidende Faktor für die individuelle Histamintoleranz ist. Menschen mit hoher DAO-Aktivität können deutlich mehr Histamin verarbeiten als Menschen mit niedriger Aktivität.

Was passiert bei unzureichendem DAO-Abbau?

Wenn die DAO-Aktivität zu niedrig ist, wird nicht alles Histamin aus der Nahrung vollständig abgebaut. Das überschüssige Histamin gelangt durch die Darmwand in den Blutkreislauf. Im Blut bindet Histamin an spezifische Rezeptoren in verschiedenen Geweben. Dadurch entstehen typische Reaktionen: Erweiterung der Blutgefäße, Kontraktion der glatten Muskulatur, Ausschüttung von Magensäure, Juckreiz und Entzündungsreaktionen. Die Intensität der Beschwerden hängt von der Menge des aufgenommenen Histamins und der verbleibenden DAO-Aktivität ab. Es gibt keine scharfe Schwelle, sondern eine individuelle Toleranzgrenze. Diese Grenze kann sich verändern – durch Stress, Hormonschwankungen, Medikamente oder eine gestörte Darmflora.

Kofaktoren: Warum Nährstoffe den DAO-Abbau beeinflussen

Die DAO ist ein komplexes Enzym. Es braucht bestimmte Nährstoffe, um optimal zu funktionieren. Kupfer ist direkt im aktiven Zentrum des Enzyms eingebaut. Ohne ausreichend Kupfer kann die DAO nicht arbeiten. Vitamin B6 unterstützt die Enzymaktivität ebenfalls. Es ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt, darunter der Histaminabbau. Vitamin C fördert die DAO-Aktivität und hemmt gleichzeitig die Histaminfreisetzung aus Mastzellen. Zinkmangel kann die Darmschleimhaut schwächen und dadurch indirekt die DAO-Produktion beeinflussen. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist daher keine Nebensache, sondern eine direkte Voraussetzung für einen funktionierenden Histaminabbau. Wer unter DAO-Mangel leidet, sollte seinen Nährstoffstatus sorgfältig prüfen lassen.

Ursachen eines DAO-Mangels

Genetische Faktoren

Ein DAO-Mangel kann angeboren sein. Genetische Varianten im AOC1-Gen, das für die DAO-Produktion codiert, können die Enzymaktivität dauerhaft reduzieren. Diese Polymorphismen sind nicht selten. Studien schätzen, dass ein relevanter Anteil der Bevölkerung genetisch bedingt eine verringerte DAO-Aktivität hat. Das bedeutet: Betroffene produzieren von Natur aus weniger aktives Enzym. Sie haben eine niedrigere Histamintoleranz – ohne dass eine Erkrankung vorliegen muss. Diese genetische Variante allein muss keine Symptome verursachen. Erst wenn die Histaminzufuhr über die individuelle Toleranzgrenze steigt, entstehen Beschwerden. Das erklärt, warum manche Menschen erst im Erwachsenenalter Probleme bemerken, obwohl sie die genetische Anlage schon immer hatten.

Erkrankungen und Darmveränderungen

Bestimmte Erkrankungen können die DAO-Aktivität sekundär senken. Schnedl & Enko (2021) weisen darauf hin, dass Histaminintoleranz häufig ihren Ursprung im Darm hat. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa schädigen die Dünndarmschleimhaut. Dort werden weniger Enterozyten gebildet, die DAO produzieren könnten. Auch eine Zöliakie, ein Leaky-Gut-Syndrom oder eine Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) können die DAO-Aktivität reduzieren. Der Zusammenhang ist bidirektional: Ein Darmproblem senkt die DAO-Produktion. Gleichzeitig führt der Histaminüberschuss zu weiterer Darmschleimhautschädigung. Dieser Kreislauf macht die Behandlung komplexer und zeigt, warum die Darmgesundheit bei Histaminintoleranz immer mitgedacht werden muss.

Medikamente als DAO-Hemmer

Viele weit verbreitete Medikamente hemmen die DAO-Aktivität direkt. Dazu gehören einige Antibiotika, bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, aber auch Antidepressiva, Antihistaminika der älteren Generation und Mukolytika wie Acetylcystein. Wenn ein Betroffener diese Medikamente einnimmt, sinkt seine ohnehin begrenzte DAO-Kapazität weiter. Die Folge sind verstärkte Beschwerden – oft ohne erkennbaren Zusammenhang mit der Ernährung. Wer unter Histaminintoleranz leidet und regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte dies ärztlich abklären lassen. Die SIGHI-Leitlinie Histaminunverträglichkeit listet die wichtigsten DAO-hemmenden Wirkstoffe und empfiehlt, diese wenn möglich durch verträglichere Alternativen zu ersetzen.

DAO-Mangel erkennen: Symptome und Diagnostik

Typische Symptome eines DAO-Mangels

Die Symptome eines DAO-Mangels sind vielfältig und unspezifisch. Genau das macht die Diagnose so schwierig. Kopfschmerzen und Migräne gehören zu den häufigsten Beschwerden. Sie treten oft kurz nach dem Essen auf. Dazu kommen Verdauungsprobleme wie Blähungen, Durchfall oder Bauchkrämpfe. Auf der Haut zeigen sich Rötungen, Juckreiz oder Urtikaria. Manche Betroffene klagen über Herzrasen, Schwindel oder einen plötzlichen Blutdruckabfall. Auch Schlafstörungen und chronische Erschöpfung werden beschrieben. Diese Beschwerden sind unspezifisch. Sie passen zu vielen anderen Erkrankungen. Deshalb dauert es oft Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Der entscheidende Hinweis ist der zeitliche Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme – besonders mit histaminreichen Lebensmitteln.

Abgrenzung zu anderen Unverträglichkeiten

DAO-Mangel und klassische Nahrungsmittelallergien sind grundverschieden. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf ein spezifisches Protein. Die Reaktion ist immunvermittelt und oft sofortig. Bei einem DAO-Mangel handelt es sich um eine Stoffwechselstörung. Das Immunsystem ist nicht direkt beteiligt. Die Reaktion hängt von der Menge des aufgenommenen Histamins ab. Sie ist dosisabhängig. Ein kleines Stück gereifter Käse kann problemlos sein. Eine große Portion desselben Käses löst Beschwerden aus. Diese Dosisabhängigkeit ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Auch Fruktoseintoleranz oder Laktoseintoleranz können ähnliche Darmsymptome verursachen. Eine sorgfältige Anamnese und gezielte Tests helfen, diese Überlappungen zu entwirren. Mehr zur Abgrenzung findest du unter /histaminintoleranz/diagnose/.

Symptomtagebuch als diagnostisches Werkzeug

Ein Symptomtagebuch ist oft der erste und wichtigste Schritt zur Diagnose. Betroffene notieren alles, was sie essen und trinken – zusammen mit dem Zeitpunkt und den auftretenden Beschwerden. Nach einigen Wochen zeigen sich Muster. Bestimmte Lebensmittel tauchen immer wieder vor den Beschwerden auf. Diese Beobachtungen sind wertvoll für das ärztliche Gespräch. Sie können helfen, die richtige Diagnostik einzuleiten. Ein Tagebuch ersetzt keine ärztliche Diagnose. Aber es schafft eine Datenbasis, die sonst fehlt. Für Menschen mit diffusen Beschwerden ohne klare Ursache ist es oft der erste Schritt aus dem Kreislauf von Symptomen und Ratlosigkeit.

DAO-Werte messen lassen

Der DAO-Bluttest: Was er misst

Die DAO-Aktivität kann im Blut gemessen werden. Dabei wird die Serumaktivität des Enzyms bestimmt. Der Test misst, wie viel Histamin das Enzym in einer bestimmten Zeit abbauen kann. Das Ergebnis wird in Units per Milliliter angegeben. Mušič et al. (2013) untersuchten die diagnostische Aussagekraft dieses Tests und kamen zu dem Schluss, dass niedrige DAO-Serum-Aktivitätswerte ein sinnvoller Hinweis auf Histaminintoleranz sind – aber keine alleinige Diagnose erlauben. Der Test hat Grenzen. Die DAO-Aktivität im Serum schwankt. Sie hängt von Tageszeit, Nahrungsaufnahme und Entzündungsprozessen ab. Deshalb sollte das Ergebnis immer im klinischen Kontext bewertet werden.

Referenzwerte und Interpretation

Es gibt keinen einheitlichen internationalen Grenzwert für die DAO-Aktivität. Die Labore nutzen unterschiedliche Methoden und Einheiten. Häufig wird ein Wert unter 3 U/ml als niedrig eingestuft. Solche Werte deuten auf eine eingeschränkte DAO-Aktivität hin. Sie erhärten den Verdacht auf Histaminintoleranz. Gleichzeitig können Betroffene mit normalen DAO-Werten trotzdem Beschwerden haben – etwa wenn andere Faktoren wie HNMT-Mangel oder eine übermäßige Histaminzufuhr vorliegen. Umgekehrt haben manche Menschen mit niedrigen DAO-Werten keine Symptome. Der Test ist ein Baustein – kein Alleinbeweis. Er sollte durch eine ausführliche Anamnese, ein Symptomtagebuch und im besten Fall eine gezielte Eliminationsdiät ergänzt werden.

Weitere Diagnosemethoden

Neben dem DAO-Bluttest gibt es weitere Ansätze. Ein Hauttest auf Histamin kann die Reaktion der Haut auf aufgetragenes Histamin messen. Dieser Test wird jedoch nicht standardmäßig eingesetzt. Eine Schleimhautbiopsie aus dem Dünndarm kann direkt die DAO-Aktivität im Gewebe bestimmen. Diese Methode ist genauer, aber invasiver. In der Praxis wird sie selten durchgeführt. Die häufigste Methode in der Praxis ist die Kombination aus DAO-Bluttest, Anamnese und diagnostischer Eliminationsdiät. Dabei werden histaminreiche Lebensmittel für mehrere Wochen konsequent vermieden. Bessern sich die Beschwerden, ist das ein starker Hinweis auf Histaminintoleranz. Mehr zur Diagnostik findest du unter /histaminintoleranz/symptome/.

DAO natürlich unterstützen

Ernährungsanpassung als Basis

Die wirkungsvollste Methode zur Entlastung der DAO ist eine histaminarme Ernährung. Dabei werden Lebensmittel mit hohem Histamingehalt reduziert oder vorübergehend gemieden. Dazu zählen gereifte Käsesorten, Rotwein, Fischkonserven, geräucherte Wurstwaren und fermentierte Produkte. Auch Lebensmittel, die die DAO hemmen oder Histamin freisetzen, ohne selbst histaminreich zu sein, werden eingeschränkt. Beispiele sind Alkohol, Erdbeeren, Zitrusfrüchte und Tomaten. Eine histaminarme Ernährung ist keine Dauerlösung für alle Betroffenen. Sie dient zunächst der Symptomkontrolle und der Entlastung des Enzymsystems. Langfristig sollte die Ursache des DAO-Mangels behandelt werden. Histaminarme Rezepte findest du auf /rezepte/.

Gezielte Nährstoffversorgung

Wie bereits beschrieben, braucht die DAO bestimmte Kofaktoren. Eine gezielte Nährstoffversorgung kann die Enzymaktivität unterstützen. Kupfer ist essenziell für die DAO-Funktion. Gute Kupferquellen sind Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte – sofern diese gut vertragen werden. Vitamin B6 findet sich in Geflügel, Kartoffeln und Bananen. Vitamin C ist in frischem Gemüse und Kräutern enthalten. Zink unterstützt die Darmschleimhaut und fördert indirekt die DAO-Produktion. Ein Blutbild kann klären, ob ein Nährstoffmangel vorliegt. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur nach ärztlicher Absprache eingesetzt werden. Eine isolierte Supplementierung ohne Diagnose ist nicht sinnvoll.

Darmgesundheit stärken

Ein gesunder Darm produziert mehr DAO. Die Stärkung der Darmschleimhaut ist daher ein wichtiger Ansatzpunkt. Chronischer Stress schädigt die Darmbarriere. Regelmäßige Entspannung und ausreichend Schlaf unterstützen die Regeneration. Eine ausgewogene Darmflora ist ebenfalls wichtig. Probiotische Lebensmittel können helfen – sofern sie histaminarm sind. Nicht alle Probiotika sind geeignet: Bestimmte Lactobacillus-Stämme produzieren selbst Histamin. Es lohnt sich, gezielt histaminneutrale oder histaminabbauende Bakterienstämme zu wählen. Eine ärztliche Beratung ist hier besonders wichtig. Darmheilende Maßnahmen sind kein schneller Fix – aber ein langfristig wirkungsvoller Ansatz, um die DAO-Aktivität dauerhaft zu verbessern.

Das Wichtigste zu DAO auf einen Blick:

DAO (Diaminoxidase) ist das zentrale Enzym zum Abbau von Histamin aus der Nahrung. Ein DAO-Mangel kann genetisch bedingt, durch Darmerkrankungen verursacht oder durch Medikamente ausgelöst sein. Die DAO-Aktivität kann im Blut gemessen werden. Eine histaminarme Ernährung, gezielte Nährstoffversorgung und Darmgesundheit sind die wichtigsten Säulen der natürlichen DAO-Unterstützung.

DAO-Präparate als Ergänzung

Wie DAO-Supplemente funktionieren

DAO-Präparate enthalten das Enzym aus tierischen Quellen – meist aus Nierenextrakten von Schweinen oder Rindern. Sie werden als Kapseln eingenommen, idealerweise kurz vor den Mahlzeiten. Das zugeführte Enzym soll im Darm wirken und dort Histamin aus der Nahrung abbauen, bevor es resorbiert wird. Diese Logik klingt überzeugend. Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch noch begrenzt. Erste Studien zeigen positive Effekte bei Migräne und Histaminunverträglichkeit. Größere, kontrollierte Studien fehlen noch. DAO-Supplemente können sinnvoll sein, wenn andere Maßnahmen allein nicht ausreichen. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine histaminarme Ernährung oder die Behandlung der Grundursache. Sie ersetzen auch keine ärztliche Diagnostik.

Worauf beim Kauf zu achten ist

Nicht alle DAO-Präparate sind gleich. Die Enzymaktivität wird in HDU (Histamine Digesting Units) angegeben. Ein höherer HDU-Wert bedeutet mehr enzymatische Aktivität. Übliche Produkte enthalten zwischen 4.200 und 10.000 HDU pro Kapsel. Die Herkunft des Enzyms und die Qualität der Produktion sind wichtig. Produkte aus zertifizierter Herstellung und mit transparenter Deklaration sind vorzuziehen. Einige Präparate enthalten zusätzliche Kofaktoren wie Vitamin B6, Vitamin C oder Kupfer. Das kann sinnvoll sein. Wer auf tierische Produkte verzichtet, sollte beachten, dass die meisten DAO-Supplemente tierischen Ursprungs sind. Eine Beratung durch einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft ist vor dem Kauf empfehlenswert.

Grenzen und Risiken der DAO-Supplementierung

DAO-Präparate sind keine Wundermittel. Sie können helfen, einzelne Mahlzeiten besser zu vertragen. Aber sie lösen den DAO-Mangel nicht ursächlich. Wer weiter histaminreiche Lebensmittel in großen Mengen isst und allein auf Supplemente setzt, wird keinen dauerhaften Erfolg haben. Manche Betroffene berichten von gutem Ansprechen auf DAO-Kapseln. Andere merken keinen Unterschied. Das ist individuell. Auch die Einnahme selbst ist nicht trivial: Zu früh oder zu spät eingenommen, wirkt das Enzym nicht optimal. Die Dosis muss an die Mahlzeit angepasst werden. DAO-Supplemente sind in Deutschland frei verkäuflich als Nahrungsergänzungsmittel – nicht als Arzneimittel. Das bedeutet: geringere regulatorische Anforderungen und weniger klinische Studien als für Medikamente.

DAO-Supplemente richtig einordnen:

DAO-Kapseln können eine sinnvolle Ergänzung bei gesichertem DAO-Mangel sein. Sie wirken im Darm und bauen dort Histamin aus der Nahrung ab. Ihre Wirksamkeit ist individuell verschieden. Sie ersetzen keine histaminarme Ernährung, keine Darmgesundheit und keine ärztliche Diagnostik. Qualität, Dosierung und Einnahmezeitpunkt sind entscheidend.

FAQ

DAO steht für Diaminoxidase. Es ist das wichtigste Enzym zum Abbau von Histamin aus der Nahrung. Bei einem DAO-Mangel kann der Körper Histamin nicht ausreichend abbauen. Das führt zu typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Hautreaktionen und Verdauungsproblemen.

Die DAO-Aktivität kann über einen Bluttest gemessen werden. Das Blut wird im Labor auf die Enzymaktivität untersucht. Der Test sollte durch einen Arzt veranlasst und im Zusammenhang mit der Krankengeschichte und weiteren Symptomen bewertet werden.

Alkohol ist einer der stärksten DAO-Hemmer. Auch Schwarztee, Energydrinks und bestimmte Medikamente wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure können die DAO-Aktivität senken. Diese Substanzen sollten bei bekanntem DAO-Mangel gemieden oder reduziert werden.

In vielen Fällen ja – besonders wenn der DAO-Mangel durch eine Darmerkrankung verursacht wurde. Wenn die Grunderkrankung behandelt und die Darmschleimhaut regeneriert wird, kann die DAO-Aktivität wieder steigen. Genetisch bedingte DAO-Mängel sind dauerhafter, lassen sich aber durch Ernährungsanpassung und Supplemente gut managen.

DAO-Präparate gelten allgemein als gut verträglich. Unerwünschte Wirkungen sind selten beschrieben. Sie sind jedoch nicht für jeden geeignet – zum Beispiel nicht für Personen mit Schweinefleischallergie, da das Enzym oft aus Schweinenieren gewonnen wird. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist vor der Einnahme empfehlenswert.

Nicht direkt, aber du kannst die DAO-Aktivität unterstützen. Bestimmte Nährstoffe – besonders Vitamin B6, Vitamin C, Kupfer und Zink – sind wichtig für die DAO-Funktion. Gleichzeitig hemmen manche Lebensmittel wie Alkohol oder bestimmte Medikamente das Enzym aktiv. Wer die Darmgesundheit stärkt und Hemmfaktoren reduziert, schafft die beste Grundlage für eine funktionierende DAO.

Statistisch ja. Histaminintoleranz wird deutlich häufiger bei Frauen diagnostiziert, besonders im mittleren Lebensalter. Ein Grund: Östrogen beeinflusst die DAO-Aktivität negativ und fördert gleichzeitig die Histaminausschüttung. Viele Frauen bemerken, dass sich Symptome je nach Zyklusphase verändern – ein klarer Hinweis auf diesen hormonellen Zusammenhang.

Ja, das ist möglich. Wenn zu viel Histamin im Körper zirkuliert, kann das Nervensystem direkt beeinflusst werden. Betroffene berichten über Angstzustände, Schlafprobleme, Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Symptome werden oft nicht mit Histaminintoleranz in Verbindung gebracht – dabei kann eine gestörte DAO-Aktivität durchaus eine Rolle spielen.

Quellen

  • Maintz, L. & Novak, N. (2007). “Histamine and histamine intolerance.” American Journal of Clinical Nutrition, 85(5), 1185–1196.
  • Comas-Baste, O. et al. (2020). “Histamine Intolerance: The Current State of the Art.” Biomolecules, 10(8), 1181.
  • Mušič, E. et al. (2013). “Serum diamine oxidase activity as a diagnostic test for histamine intolerance.” Wiener Klinische Wochenschrift, 125(9–10), 239–243.
  • Schnedl, W. J. & Enko, D. (2021). “Histamine Intolerance Originates in the Gut.” Nutrients, 13(4), 1262.
  • Schwelberger, H. G. (2010). “Histamine intolerance: overestimated or underestimated?” Inflammation Research, 59(Suppl 2), S219–S221.
  • Swiss Interest Group Histamine Intolerance (SIGHI). (2020). SIGHI-Leitlinie Histaminunverträglichkeit. Aktuelle Version abrufbar unter: histaminintoleranz.ch.
BH
Balance Histamin
Fachredaktion für Histaminintoleranz, Ernährung und Darmgesundheit. Medizinisch geprüfte Inhalte auf Basis aktueller Studien und Leitlinien.

Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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