Bacteroidetes, Darmflora und Histamin: Was steckt dahinter?

Wie Bacteroidetes und die Darmflora die Histaminbelastung beeinflussen – wissenschaftlich erklärt für Menschen mit Histaminintoleranz.

Wer an Histaminintoleranz leidet, denkt zuerst an Lebensmittel. Doch die Forschung zeigt: Die Darmflora – das sogenannte Mikrobiom – spielt eine entscheidende Rolle. Bacteroidetes, eine der häufigsten Bakteriengruppen im menschlichen Darm, stehen dabei besonders im Fokus. Sie können Histamin sowohl abbauen als auch produzieren. Das Gleichgewicht dieser Bakterien beeinflusst direkt, wie viel Histamin im Darm entsteht und wie gut es abgebaut wird. Viele Betroffene berichten von Symptomen wie Kopfschmerz, Hautreaktionen oder Verdauungsproblemen – obwohl sie bereits histaminarme Kost essen. Ein gestörtes Mikrobiom könnte der fehlende Puzzlestein sein. Histaminintoleranz hat ihren Ursprung häufig im Darm, nicht nur in der Ernährung. (Quelle: Schnedl & Enko, 2021) Dieser Artikel erklärt, was Bacteroidetes mit Histamin zu tun haben und was das für Betroffene konkret bedeutet.

Was sind Bacteroidetes im Darm?

Die wichtigsten Bakteriengruppen im Überblick

Der menschliche Darm beherbergt Billionen von Mikroorganismen. Sie bilden das Darmmikrobiom. Die größten Gruppen sind Firmicutes und Bacteroidetes. Zusammen machen sie mehr als 90 Prozent aller Darmbakterien aus. Das Verhältnis dieser zwei Gruppen gilt als wichtiger Marker für die Darmgesundheit. Ein stabiles Gleichgewicht ist entscheidend. Ist es gestört, spricht man von Dysbiose. Bacteroidetes sind gramnegative Bakterien. Sie produzieren kurzkettige Fettsäuren, die die Darmschleimhaut ernähren und das Immunsystem regulieren. Manche Vertreter dieser Gruppe – wie Bacteroides oder Prevotella – sind weitgehend harmlos oder nützlich. Andere können unter bestimmten Bedingungen zur Histaminbelastung beitragen. Das Mikrobiom ist kein starres System. Es reagiert auf Ernährung, Stress, Medikamente und Krankheiten.

Wie Bacteroidetes die Darmumgebung prägen

Bacteroidetes beeinflussen aktiv die Darmumgebung. Sie konkurrieren mit anderen Bakterien um Nährstoffe und Platz. Durch ihre Stoffwechselprodukte formen sie den pH-Wert im Darm. Ein leicht saures Milieu begünstigt nützliche Bakterien und hemmt potenzielle Schädlinge. Bacteroidetes sind außerdem in der Polysaccharid-Verwertung besonders aktiv. Sie bauen komplexe Pflanzenfasern ab, die der menschliche Körper allein nicht verdauen kann. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Acetat. Diese Fettsäuren stärken die Darmbarriere und dämpfen Entzündungsreaktionen. Metabolische Unterschiede im Fettsäurestoffwechsel wurden auch bei Menschen mit Histaminintoleranz dokumentiert. (Quelle: Lackner et al., 2019) Das zeigt, wie eng Mikrobiom und Histaminstoffwechsel miteinander verknüpft sind.

Dysbiose als Ausgangspunkt für Unverträglichkeiten

Eine Dysbiose – also ein Ungleichgewicht der Darmflora – kann viele Ursachen haben. Antibiotika, Stress, unausgewogene Ernährung oder Infekte stören das Gleichgewicht. Wenn histaminproduzierende Bakterien die Oberhand gewinnen, steigt die Histaminlast im Darm. Gleichzeitig kann die Produktion des Abbauenzyms Diaminoxidase (DAO) sinken. Diese Doppelbelastung überfordert den Körper. Die Symptome einer Histaminintoleranz entstehen häufig nicht durch ein einzelnes Lebensmittel. Die Gesamtbelastung zählt. (Quelle: Comas-Baste et al., 2020) Bacteroidetes spielen in diesem Zusammenspiel eine bisher unterschätzte Rolle.

Auf einen Blick: Bacteroidetes und Darmflora
  • Große Gruppe: Bacteroidetes gehören zu den häufigsten Bakterien im menschlichen Darm.
  • Zweischneidiges Schwert: Sie können Histamin sowohl produzieren als auch indirekt regulieren.
  • Dysbiose als Risiko: Ein gestörtes Mikrobiom kann die Histaminbelastung deutlich erhöhen.
  • Gesamtbelastung entscheidend: Nicht ein einzelner Wert, sondern das Zusammenspiel vieler Faktoren bestimmt die Verträglichkeit.

Darmflora und Histaminproduktion

Welche Bakterien Histamin produzieren

Histamin entsteht nicht nur in Lebensmitteln. Auch Darmbakterien können es selbst herstellen. Sie wandeln dabei die Aminosäure Histidin in Histamin um. Bekannte histaminproduzierende Bakterien sind unter anderem Lactobacillus reuteri, Morganella morganii und bestimmte Clostridien. Auch einige Bacteroidetes-Vertreter können an diesen Prozessen beteiligt sein. Das bedeutet: Selbst bei histaminarmer Ernährung kann die Eigenproduktion im Darm erheblich sein. Bei Betroffenen mit Histaminintoleranz ist die körpereigene Histaminproduktion im Darm oft unterschätzt. (Quelle: Schnedl & Enko, 2021) Die Ernährung allein greift daher als Erklärung zu kurz.

Histidin als Vorläufer im Darm

Histidin ist eine essenzielle Aminosäure. Sie kommt in Fleisch, Fisch, Eiern und Hülsenfrüchten vor. Im Darm kann Histidin durch bakterielle Enzyme zu Histamin umgewandelt werden. Je mehr histaminproduzierende Bakterien im Darm vorhanden sind, desto mehr Histamin entsteht. Dieser Prozess läuft unabhängig davon ab, ob man gerade histaminhaltige Lebensmittel zu sich nimmt. Auch ein an sich histaminarmes Gericht kann so zur Histaminbelastung beitragen. Histamin übernimmt im Körper wichtige Aufgaben – für die Immunabwehr, die Magensäureproduktion und die Nervenübertragung. Das Problem entsteht erst, wenn zu viel Histamin vorhanden ist und nicht ausreichend abgebaut werden kann.

Das Gleichgewicht aus Produktion und Abbau

Ob Histamin zum Problem wird, hängt vom Gleichgewicht ab. Produktion und Abbau müssen sich die Waage halten. Wenn die Produktion steigt oder der Abbau geschwächt ist, kommt es zur Überlastung. Das DAO-Enzym ist der wichtigste Histaminabbauer im Darm. Seine Aktivität kann durch Medikamente, genetische Faktoren und eine gestörte Darmschleimhaut sinken. Dysbiose schwächt die Darmbarriere und beeinträchtigt die DAO-Aktivität. (Quelle: Schnedl & Enko, 2021) Die Bacteroidetes-Zusammensetzung beeinflusst dabei indirekt, wie gut der Darm diese Schutzfunktion erfüllen kann.

Bacteroidetes und das DAO-Enzym

DAO: Der wichtigste Histaminabbauer

Diaminoxidase (DAO) ist ein Enzym. Es wird vor allem in den Zellen der Dünndarmschleimhaut gebildet. Seine Aufgabe: Histamin aus der Nahrung und aus bakterieller Produktion abzubauen. Bei Menschen mit Histaminintoleranz ist die DAO-Aktivität oft erniedrigt. Das kann genetisch bedingt sein. Häufig spielen aber auch Umweltfaktoren eine Rolle. Eine geschädigte Darmschleimhaut produziert weniger DAO. Bacteroidetes und andere Darmbakterien beeinflussen die Gesundheit der Schleimhaut direkt. Eine Dysbiose kann die Schleimhaut schädigen und so die DAO-Produktion drosseln. Der Zusammenhang zwischen niedriger DAO-Aktivität und Kohlenhydratmalabsorption – wie Laktose oder Fruktose – wurde ebenfalls belegt. (Quelle: Enko et al., 2017) Das zeigt: Histaminintoleranz und andere Unverträglichkeiten hängen oft zusammen.

Wie die Darmflora die DAO-Aktivität beeinflusst

Kurzkettige Fettsäuren aus dem Bacteroidetes-Stoffwechsel – insbesondere Butyrat – haben entzündungshemmende Wirkung. Sie fördern die Integrität der Darmbarriere und stärken die Schleimhaut. Eine intakte Schleimhaut ist Voraussetzung für eine ausreichende DAO-Produktion. Fehlt Butyrat, leidet die Schleimhaut. Die DAO-Aktivität sinkt. Histamin kann nicht mehr ausreichend abgebaut werden. Eine veränderte Darmflora bei Histaminintoleranz ist nicht allein auf Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen – körpereigene Faktoren der Darmflora selbst spielen eine eigenständige Rolle. (Quelle: Schink et al., 2018) Das erklärt, warum histaminarme Diät allein oft nicht ausreicht. Der Darm braucht auch strukturelle Unterstützung.

Zusammenspiel mit anderen Unverträglichkeiten

Histaminintoleranz tritt selten allein auf. Häufig bestehen gleichzeitig Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit. Diese Kombination ist kein Zufall. Alle drei Zustände hängen mit der Darmschleimhaut und dem Mikrobiom zusammen. Eine niedrige DAO-Aktivität geht oft mit Kohlenhydratmalabsorption einher. (Quelle: Enko et al., 2017) Bacteroidetes sind an der Verwertung von Kohlenhydraten beteiligt. Ein Ungleichgewicht dieser Gruppe kann also gleich mehrere Unverträglichkeiten fördern. Für Betroffene ist es daher sinnvoll, das Mikrobiom als Ganzes zu betrachten – nicht nur einzelne Auslöser zu meiden. Mehr Hintergrundinformationen zur Histaminintoleranz helfen beim Einordnen der eigenen Symptome.

Veränderte Darmflora bei Histaminintoleranz

Was Studien über das Mikrobiom bei HIT zeigen

Menschen mit Histaminintoleranz haben eine messbar andere Darmflora als Gesunde. Das ist wissenschaftlich belegt. Bestimmte Bakterienstämme sind überrepräsentiert, andere fehlen fast vollständig. Interessanterweise lassen sich diese Unterschiede nicht allein durch die Ernährung erklären. Auch bei vergleichbarer Kost unterscheidet sich das Mikrobiom von HIT-Betroffenen von dem gesunder Menschen. (Quelle: Schink et al., 2018) Das deutet auf körpereigene Faktoren hin. Das Mikrobiom von HIT-Betroffenen reagiert möglicherweise anders auf Umwelteinflüsse. Bacteroidetes-Verschiebungen könnten dabei eine Schlüsselrolle spielen. Die Forschung zu diesem Thema ist noch jung – die Ergebnisse sind aber konsistent.

SIBO und seine Verbindung zu Histamin

Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) ist eine häufige Begleiterscheinung bei Histaminintoleranz. Dabei wachsen Bakterien im Dünndarm, die dort normalerweise kaum vorkommen. Diese Bakterien fermentieren Kohlenhydrate und produzieren Histamin direkt im Dünndarm. Der Dünndarm ist aber genau dort, wo DAO Histamin abbauen soll. SIBO überflutet diesen Bereich mit Histamin. Der Zusammenhang zwischen SIBO, Histaminintoleranz und Reizdarmsyndrom ist gut dokumentiert. (Quelle: Fabisiak et al., 2017) Bacteroidetes-Verschiebungen sind bei SIBO-Betroffenen häufig nachweisbar. Das macht die Behandlung komplex – denn ohne Sanierung der Darmflora bleibt die Histaminbelastung hoch.

Differenzierung von anderen Erkrankungen

Histaminintoleranz ist nicht die einzige Erkrankung, bei der Histamin eine Rolle spielt. Das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) geht ebenfalls mit erhöhter Histaminfreisetzung einher. Die Differenzierung ist wichtig – denn die Therapieansätze unterscheiden sich. MCAS ist eine immunologische Erkrankung, bei der Mastzellen übermäßig aktiviert werden. Die Diagnosekriterien wurden international abgestimmt und einheitlich festgelegt. (Quelle: Afrin et al., 2020) Bacteroidetes-Veränderungen könnten sowohl bei HIT als auch bei MCAS relevant sein. Das Mikrobiom beeinflusst Mastzellen direkt. Eine genaue Diagnose ist daher entscheidend. Nur wer die richtige Ursache kennt, kann gezielt gegensteuern.

Auf einen Blick: Mikrobiom und Histaminintoleranz
  • Eigenproduktion: Darmbakterien produzieren selbst Histamin – unabhängig von der Ernährung.
  • DAO und Schleimhaut: Bacteroidetes-Stoffwechselprodukte stärken die Darmbarriere und fördern die DAO-Aktivität.
  • SIBO als Faktor: Dünndarmfehlbesiedlung erhöht die Histaminlast direkt dort, wo DAO wirken soll.
  • Intrinsische Faktoren: Veränderungen der Darmflora bei HIT sind nicht allein ernährungsbedingt.

Die Darm-Lunge-Achse und Histamin

Wie Darmhistamin die Lunge beeinflusst

Der Darm und die Lunge stehen in engem Austausch. Diese Verbindung wird als Darm-Lunge-Achse bezeichnet. Bakterielle Histaminproduktion im Darm kann Immunreaktionen in der Lunge auslösen. Das betrifft insbesondere Betroffene mit Asthma oder allergischer Rhinitis. Darmbakterien geben Histamin ab, das über das Blut oder immunologische Signalwege die Atemwege beeinflusst. (Quelle: Barcik et al., 2019) Bacteroidetes sind Teil des Ökosystems, das diese Prozesse reguliert. Ein Ungleichgewicht kann dazu führen, dass Atemwegssymptome bei Histaminintoleranz zunehmen. Das erklärt, warum manche Betroffene nach dem Essen nicht nur Hautreaktionen, sondern auch Atembeschwerden entwickeln.

Immunologische Signalwege zwischen Darm und Atemwegen

Die Darm-Lunge-Achse funktioniert über mehrere Wege. Kurzkettige Fettsäuren aus dem Bacteroidetes-Stoffwechsel modulieren Immunzellen im Blut. Diese Immunzellen wandern in die Lunge. Dort beeinflussen sie, wie stark Entzündungsreaktionen ausfallen. Histamin wirkt dabei auf vier verschiedene Rezeptortypen, die im ganzen Körper – auch in der Lunge – vorkommen. Ein Bacteroidetes-Ungleichgewicht kann diese Signalkette stören. Das Ergebnis: überschießende Immunreaktionen in der Lunge. Für HIT-Betroffene mit Atembeschwerden ist die Darmgesundheit daher besonders relevant. Bakterielle Histaminproduktion im Darm und Atemwegsreaktionen hängen enger zusammen, als lange gedacht. (Quelle: Barcik et al., 2019)

Bedeutung für die Praxis

Die Darm-Lunge-Achse zeigt: Histaminintoleranz ist keine rein gastrointestinale Erkrankung. Sie betrifft den gesamten Körper. Betroffene, die trotz histaminarmer Ernährung weiter unter Atemwegssymptomen leiden, sollten das Mikrobiom untersuchen lassen. Eine Verbesserung der Darmflora kann auch Atemwegssymptome lindern. Das ist keine Selbstverständlichkeit – aber die Forschung zeigt klar: Der Darm ist mehr als ein Verdauungsorgan. Er ist ein zentrales Immunorgan. Bacteroidetes spielen dabei eine führende Rolle. Eine gezielte Unterstützung dieser Bakteriengruppe kann sich systemisch auswirken.

Das Mikrobiom gezielt unterstützen

Ernährung und ihre Wirkung auf Bacteroidetes

Die Ernährung ist der wichtigste Hebel für das Mikrobiom. Bacteroidetes gedeihen besonders gut bei einer ballaststoffreichen Kost. Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte liefern die Polysaccharide, die diese Bakteriengruppe braucht. Gleichzeitig müssen HIT-Betroffene darauf achten, histaminarme Lebensmittel zu wählen. Das ist ein Balanceakt. Zu viel Einschränkung schadet dem Mikrobiom. Zu wenig Einschränkung überfordert den Histaminabbau. Histaminarme Rezepte, die gleichzeitig präbiotisch wirken, sind ideal. Inspiration dafür gibt es auf balancehistamin.de/rezepte/. Nicht jede ballaststoffreiche Zutat ist für alle gleich verträglich – hier hilft ein schrittweises Vorgehen.

Probiotika und Prebiotika bei Histaminintoleranz

Probiotika sind lebende Mikroorganismen. Sie können die Darmflora gezielt beeinflussen. Allerdings ist bei Histaminintoleranz Vorsicht geboten. Manche Lactobacillus-Stämme produzieren selbst Histamin. Andere Stämme können den Histaminabbau fördern. Die Wahl des richtigen Probiotikums ist entscheidend. Präbiotika – also unverdauliche Ballaststoffe – fördern dagegen das Wachstum nützlicher Bakterien, darunter auch bestimmte Bacteroidetes-Vertreter. Inulin und Fructooligosaccharide sind bekannte Präbiotika. Sie sollten langsam eingeführt werden, um Blähungen zu vermeiden. Eine Darmsanierung sollte idealerweise ärztlich begleitet werden, besonders wenn SIBO vermutet wird.

Lebensstil und Stressreduktion

Nicht nur die Ernährung prägt das Mikrobiom. Schlaf, Bewegung und Stressmanagement spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Chronischer Stress erhöht die Durchlässigkeit der Darmbarriere. Das begünstigt Dysbiose. Gleichzeitig aktiviert Stress Mastzellen und erhöht die Histaminausschüttung. Ein gestresster Körper produziert mehr Histamin und baut es schlechter ab. Regelmäßige Bewegung fördert die Vielfalt des Mikrobioms. Auch Bacteroidetes profitieren davon. Für HIT-Betroffene ist ein ganzheitlicher Ansatz daher besonders wichtig. Mehr Hintergründe zur Histaminintoleranz und ihren Zusammenhängen gibt es auf balancehistamin.de/histaminintoleranz/.

Fazit: Bacteroidetes, Histamin und die Darmflora

Was die Forschung zusammenfassend zeigt

Bacteroidetes und die Darmflora insgesamt sind zentrale Akteure im Histaminstoffwechsel. Sie beeinflussen, wie viel Histamin im Darm produziert wird. Sie bestimmen mit, wie gut die Darmschleimhaut und das DAO-Enzym funktionieren. Und sie steuern über die Darm-Lunge-Achse Immunreaktionen im gesamten Körper. Histaminintoleranz ist damit kein isoliertes Ernährungsproblem. Sie hat ihren Ursprung im Darm – und das Mikrobiom ist ein wesentlicher Teil dieses Ursprungs. (Quelle: Schnedl & Enko, 2021) Die Forschung zu Bacteroidetes bei HIT steckt noch in den Anfängen. Aber die bisherigen Ergebnisse sind eindeutig: Wer die Darmflora stabilisiert, kann die Histaminbelastung senken.

Praktische Schlussfolgerungen für Betroffene

Für HIT-Betroffene bedeutet das: Eine histaminarme Ernährung ist wichtig. Aber sie reicht oft nicht aus. Das Mikrobiom braucht gezielte Unterstützung. Ballaststoffe für Bacteroidetes. Geeignete Probiotika für eine gesunde Bakterienvielfalt. Stressreduktion für eine intakte Darmbarriere. Und bei Bedarf: eine ärztliche Abklärung auf SIBO oder andere Ursachen. Histaminintoleranz ist komplex. Die Symptome sind vielschichtig. Aber wer den Darm als Zentrum des Problems versteht, hat bessere Chancen auf Verbesserung. Das Zusammenspiel von Bacteroidetes, Darmflora und Histamin ist keine Theorie mehr – es ist gelebte Wissenschaft.

Ein realistischer Ausblick

Die Wissenschaft bewegt sich schnell. Neue Studien untersuchen gezielt, welche Bacteroidetes-Stämme histaminabbauend wirken. Auch personalisierte Mikrobiom-Analysen werden zugänglicher. In Zukunft könnten gezielte probiotische Therapien helfen, die Darmflora von HIT-Betroffenen dauerhaft zu stabilisieren. Bis dahin gilt: Informiert bleiben, den Körper beobachten und mit Fachpersonal zusammenarbeiten. Histaminintoleranz ist behandelbar. Der Weg dorthin führt – immer öfter – über den Darm.

Häufige Fragen zu Bacteroidetes, Darmflora und Histamin

Bacteroidetes sind eine der dominanten Bakteriengruppen im Darm. Sie beeinflussen die Darmschleimhaut, die DAO-Produktion und das Immunsystem. Ein Ungleichgewicht dieser Gruppe kann die Histaminbelastung erhöhen und den Histaminabbau verschlechtern – unabhängig von der Ernährung.

Ja. Bestimmte Darmbakterien wandeln die Aminosäure Histidin durch das Enzym Histidindecarboxylase in Histamin um. Das geschieht unabhängig davon, ob man histaminreiche Lebensmittel isst. Bei einer Dysbiose kann diese endogene Histaminproduktion erheblich sein.

Weil nicht nur die Nahrung Histamin liefert. Eine gestörte Darmflora produziert selbst Histamin. Gleichzeitig kann eine geschädigte Darmschleimhaut weniger DAO bereitstellen. Beide Faktoren zusammen erhöhen die Gesamtbelastung – unabhängig von der Ernährung.

Das kommt auf den Stamm an. Manche Lactobacillus-Stämme produzieren selbst Histamin und können Symptome verschlechtern. Andere Stämme sind histaminabbauend oder neutral. Die Wahl des richtigen Probiotikums sollte ärztlich begleitet werden.

Ballaststoffreiche und gleichzeitig histaminarme Ernährung fördert nützliche Bakterien wie Bacteroidetes. Stressreduktion, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung stärken die Darmbarriere. Bei Verdacht auf SIBO sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Ja, das ist möglich – aber kein schneller Prozess. Ballaststoffreiche Ernährung, Stressreduktion und in manchen Fällen gezielte Probiotika können das Mikrobiom langfristig positiv beeinflussen. Wichtig: Nicht jedes Probiotikum ist bei Histaminintoleranz geeignet, manche Stämme produzieren selbst Histamin. Eine Beratung durch einen erfahrenen Therapeuten ist empfehlenswert.

Das lässt sich pauschal nicht sagen – es hängt davon ab, wie ausgeprägt die Dysbiose ist und was ihre Ursache war. Erste spürbare Verbesserungen berichten Betroffene manchmal nach wenigen Wochen, eine stabile Erholung des Mikrobioms kann aber Monate dauern. Geduld und Konsequenz bei Ernährung und Lebensstil sind entscheidend.

Mikrobiom-Tests aus dem Stuhl können das Verhältnis verschiedener Bakteriengruppen – darunter Bacteroidetes – sichtbar machen. Sie geben Hinweise auf eine mögliche Dysbiose. Allerdings sind diese Tests kein diagnostisches Mittel für Histaminintoleranz. Sie liefern nützliche Zusatzinformationen, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose oder individuelle Therapieplanung.

Quellen

  • Schnedl, W. J. & Enko, D. (2021). “Histamine Intolerance Originates in the Gut.” Nutrients, 13(4), 1262.
  • Comas-Baste, O. et al. (2020). “Histamine Intolerance: The Current State of the Art.” Biomolecules, 10(8), 1181.
  • Lackner, S. et al. (2019). “Differences in fatty acid metabolism in patients with histamine intolerance compared to patients with irritable bowel syndrome.” World Journal of Gastroenterology, 25(42), 6346–6356.
  • Schink, M. et al. (2018). “Different nutritional habits are not responsible for altered gut microbiota composition and activity in patients with intestinal histamine intolerance.” Journal of Physiology and Pharmacology, 69(4).
  • Fabisiak, N. et al. (2017). “Small intestinal bacterial overgrowth and histamine intolerance in irritable bowel syndrome.” Przegląd Gastroenterologiczny, 12(3), 187–194.
  • Enko, D. et al. (2017). “Concomitant prevalence of low serum diamine oxidase activity and carbohydrate malabsorption.” Canadian Journal of Gastroenterology and Hepatology, 2017, 1489021.
  • Barcik, W. et al. (2019). “Bacterial secretion of histamine within the gut influences immune responses within the lung.” Allergy, 74(5), 899–909.
  • Afrin, L. B. et al. (2020). “Diagnosis of mast cell activation syndrome: a global ‘consensus-2’.” Diagnosis, 8(2), 137–152.
BH
Balance Histamin
Fachredaktion für Histaminintoleranz, Ernährung und Darmgesundheit. Medizinisch geprüfte Inhalte auf Basis aktueller Studien und Leitlinien.

Quellen: DGAKI, SIGHI, Allergie-Informationsdienst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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